Erstellt am 24. Februar 2016, 06:54

von Markus Stefanitsch

Gemütlicher Vierer, mühsamer Fünfer. Markus Stefanitsch über die verkehrte Noten-Diskussion und die Chance des Jahres der Bildung.

Kinder, die am Ende der Volksschule nicht sinnerfassend lesen können. Jugendliche Jobbewerber, bei denen die Hälfte bei einem 08/15-Test mit Pauken und Trompeten durchfällt. Vorstellungsgespräche, bei denen die Jugendlichen von der Mutter begleitet werden und diese jede Frage gleich selbstverständlich für das Kind mitbeantwortet.

Ein ziemlich düsteres Bild, das zahlreiche Experten vom heimischen Bildungsniveau zeichnen. Und wer denkt, das betreffe nur die Ballungszentren, liegt falsch. Auch in ländlichen Gebieten warnen Pädagogen vor einer teilweise erschreckenden Entwicklung.

Die Überlegung, in der Volksschule die Noten abzuschaffen, geht da wieder einmal am Thema vorbei. Wenn, dann bedarf es eines gesamten Systemwandels. Denn speziell nach der Volksschule gibt es sehr oft Probleme mit den Noten. Unter der Hand bestätigen vielen Pädagogen, im „Zweifelsfall“ die Schüler als gerade noch positiv zu bewerten.

Auf gut Deutsch gesagt: Lieber einen Vierer vergeben, anstatt sich „x-Mal“ mündlich und schriftlich gepaart mit einem großen Verwaltungsaufwand für einen vergebenen „Fünfer“ rechtfertigen zu müssen. Vor allem dann, wenn sich das Ende der Pflichtschulzeit nähert.

Wer ist schuld an diesen teils zerrütteten Zuständen? Wir alle. Die Politiker, die Gesellschaft, die Lehrer und die Schüler. Denn seit Jahren ist es „in“, von allen Seiten auf die Lehrer zu schimpfen.

Das Burgenland feiert heuer das „Jahr der Bildung“. Eine Chance, den Berufsstand dementsprechend aufzuwerten. Denn Lehrer zu sein, bedeutet nicht „nur 22 Stunden zu arbeiten und neun Wochen frei zu haben“. Positive Beispiele gibt es zur Genüge im Land, man muss sie nur noch mehr ins Rampenlicht stellen.