Erstellt am 05. September 2012, 08:29

Glaubt‘s die Jetti-Tante?. HARALD KNABL über das mangelnde Vertrauen in die Bundesregierung.

 |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Das heikle Spiel mit der Glaubwürdigkeit ist in der Vorwoche auf bundespolitischer Ebene gleich doppelt aufgeführt worden. Da versucht sich zunächst einmal die ÖVP darin, wider allen Geschehnissen, die bereits öffentlich bekannt waren, so zu tun, als hätte es gar keine Personaldebatten rund um den Bundesparteiobmann gegeben. Und dann mauern SPÖ und ÖVP den Untersuchungsausschuss ab, weil haarige Befragungen des Kanzlers und einiger Minister anstünden. Was soll sich die Bevölkerung dazu noch denken?

Und beim Thema Inseraten-affäre kommt wieder einmal die berühmte Jetti-Tante ins unwürdige Spiel. Kein Mensch in diesem Lande, der die Mechanismen der Innenpolitik und jener ihrer Protagonisten kennt, wird mehr glauben, dass die Inserate NICHT zunächst zum Vorteil des jetzigen Kanzlers und erst dann zum Nutzen etwa der ÖBB an diverse Boulevardmedien in Auftrag gegeben wurden. Dass da von einigen Ausführenden, wohl wegen eines flauen Gefühls in der Magengegend, Aktenvermerke angefertigt wurden, ist ein Kunstfehler. Einer, der sich nur dadurch vertuschen lässt, indem man die Untersuchungen darob verhindert. Da ist von Glaubwürdigkeit keine Spur mehr.
Man wird fast schon müde darauf hinzuweisen, wie gefährlich diese Spielchen sind. Die Zeiten, in denen sich die Bevölkerung das offensichtliche Leugnen realer Dinge gefallen ließ und den Politikern im Großen und Ganzen doch noch vertraute, sind längst vorbei. Die Strafe folgt prompt, gut sichtbar beim nächsten Wahlgang. Und das wird erst recht schmerzen. Die jetzigen Regierungsparteien, aber leider auch uns alle.