Erstellt am 02. Februar 2011, 00:00

Grassers Lack endgültig ab. HARALD KNABL über die erschreckende Politik der Umfragewerte.

 |  NOEN, Franz Baldauf
x  |  NOEN, Franz Baldauf

Jetzt könnte man sagen, dass man es ja eh’ schon immer gewusst hat. Dass gar so smart und clever Karl Heinz Grasser nie gewesen ist. Dass es an den Fingern einer Hand abzuzählen war, dass uns der selbstverliebte Feschak eigentlich immer versucht hat, an der Nase herumzuführen, dass die Freunderlwirtschaft, die der ehemalige Finanzminister gar so frech hoffähig machte, so manchem ganz gute Rendite einbrachte. Ja, das könnte man jetzt alles sagen. Aber eigentlich sollte man jetzt erleichtert sagen: Der Lack ist jetzt einmal ab, Herr Grasser.

Als Minister eine Steuersünde zu begehen, das ist schon ein starkes Stück, das zeugt entweder von Unfähigkeit (was zur Ehrenrettung Grassers nicht anzunehmen ist) oder aber von maßloser, arroganter Selbstüberschätzung. Was anzunehmen ist. Was wieder einmal provoziert, ist die freche Verniedlichung, mit der Grasser seinen Fehler kommentiert. Wohl wissend, dass es nicht die 18.000 Euro Steuerschulden sind (waren), die das Unerträgliche darstellen, sondern die Tatsache, dass ein Minister, der für die Finanzen des Staates verantwortlich war, mit dem System jongliert hat, als wären die Regeln bloß dazu da, ausgetrickst zu werden.

Karl Heinz Grasser war kein guter Finanzminister, das ist schon lange kein Geheimnis mehr. Er war aber auch kein glaubwürdiger Finanzminister, das steht seit der Vorwoche fest. Er war etwa so glaubwürdig wie ein Zivildiener als Verteidigungsminister.

Es ist schon erstaunlich, was in Österreich alles möglich war und ist. Und erschreckend ist es, was die Politik alles so geschehen lässt, wenn sie sich höhere Umfragewerte verspricht.

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