Erstellt am 19. Oktober 2011, 00:00

Haiders Erbe noch immer da. HARALD KNABL über die Skandale und Korruptionen aus der Haider-Ära.

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Österreichs „Rächer der Enterbten“, der selbst ernannte Robin Hood der Innenpolitik, Jörg Haider, ist entzaubert. Das System Jörg Haider war, das darf man getrost sagen, geprägt von rücksichtsloser Freunderlwirtschaft und Korruption. Und vom Wissen, dass in unserem Lande lange Zeit, sehr lange Zeit, ein Machtsystem, wie es der ehemalige Kärntner Landeschef im südlichsten Bundesland aufgebaut hatte, funktioniert. Warum auch immer.

Dass ihm sein eigener Protokollchef vorbehaltslos gehorchte, ist fast noch einzusehen (nur haben halt auch Beamte Spielregeln, die sie vor Übergriffen der Politik schützen), dass aber Spitzenbanker blindlings seine Anordnungen ausführten, zeugt von der Brutalität, mit der der „Jäger der alten Parteien“ Macht, wenn sie in seinen Händen lag, nutzte. Sei es Zufall, sei es Schicksal: Haider starb, als seine politischen Machenschaften begannen, ruchbar zu werden.

Doch was hat die Politik in diesem Lande daraus gelernt? Herzlich wenig. Wenige Jahre und einige neue Skandale später steht sie peinlich ausgezogen vor ihrem Souverän. Am Rande einer Wirtschaftskrise arbeiten wir Fehltritte auf. Und das nicht ganz freiwillig. Ein Monsteruntersuchungsausschuss muss jetzt gleich alle (bisher bekannten) Sümpfe trockenlegen.

Frau und Herr Österreicher nehmen dies mittlerweile mit wachsendem Ärger entgegen. Die Rechnung wird wohl, wenn sich die Regierung überhaupt noch so lange riechen kann, 2013 serviert. Dann hat jede Parteitaktik ausgedient. Dann ist Zahltag. Mein Gott, man ist versucht zu sagen: Wo sind heute in der Bundespolitik Politiker wie Klaus, Kreisky oder Mock zu finden?

harald.knabl@bvz.at