Erstellt am 15. August 2012, 00:00

Hat Stronach eine Chance?. HARALD KNABL über die politischen Ambitionen des Austro-Kanadiers.

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Frank Stronach will also doch. Vor wenigen Wochen noch wollte er ein wengerl, dann sicher nicht. Jetzt doch. Und zwar wie: gleich als Spitzenkandidat. Die „Partei der Goldenen Regel“ wird’s demnach geben. Brauchen wir die überhaupt? Und warum soll’s der Partei von Stronach besser ergehen als den Kickern?

Die Sprunghaftigkeit des Aus-tro-Kanadiers ist bekannt. Weil sich die Führungsspitze der Wiener Austria nicht nach Stronachs Regel hielt, die frei übersetzt nix anderes als „wer zahlt, schafft an“ bedeutet, ließ der Milliardär in Wiener Neustadt einen Bundesligaklub aus dem Boden stampfen. Und weil sich die sportlichen Erfolge kaum einstellten, ließ er das selbst gebastelte Spielzeug wieder fallen.

Was, wenn dem guten Mann, sollte er seine angepeilten 10 Prozent bei den kommenden Nationalratswahlen nicht erreichen, auch politisch die Lust vergeht? Und noch banger muss man sich die Frage stellen: Was, wenn er die 10 Prozent wirklich macht?

Was ist in diesem Land passiert, dass sich neue Parteien mit reinen Spartenprogrammen (auf die sozialen Aspekte in Stronachs Parteiprogramm darf man gespannt warten) oder gleich gar keinen Programmen, weil man eh’ gegen alles ist (Stichwort Piratenpartei), tatsächlich auf Anhieb erhoffen dürfen, einen relevanten Stimmenanteil zu erringen? Die Antwort ist uns allen klar. SPÖ und ÖVP haben es nicht geschafft, neuen moralisch-politischen Ansprüchen gerecht zu werden. Fehlende Antworten auf Zeitfragen, Kalkül vor Verstand und Skandale statt Ehrlichkeit waren Wegbereiter für neue Gruppierungen. Ob die uns helfen können oder nicht, ist dabei leider gar nicht die Frage.

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