Erstellt am 28. August 2013, 11:06

Kein Grund für loses Mundwerk. Martin Gebhart über den Ausdruck „abgesandelt“ von Christoph Leitl.

NÖN-Chefredakteur Martin Gebhart  |  Franz Baldauf
Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl kann sich dieser Tage zufrieden selbst zuprosten. Sein Ausspruch, dass ein Wahlkampf die „Zeit fokussierter Unintelligenz“ ist, trifft in diesen Tagen vor der Nationalratswahl wieder einmal voll ins Schwarze.

Jetzt mag man die eine oder andere unbedachte Äußerung von wahlkämpfenden Politikern der Hitze des Gefechts unterordnen, selbst wenn es sich um Regierungsmitglieder handelt. Doch nicht jedes lose Mundwerk kann unter dem Deckmantel der „fokussierten Unintelligenz“ Zuflucht suchen.

Dazu zählt seit der Vorwoche ein Sager von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl, der in einer Pressekonferenz mit ÖVP-Finanzministerin Maria Fekter den österreichischen Wirtschaftsstandort als „abgesandelt“ bezeichnete. Alle Erklärungsversuche danach waren wirkungslos. Dem obersten Vertreter der Wirtschaftsunternehmen in Österreich darf so etwas verbal nicht auskommen. Selbst wenn gerade Wahlkampf ist.

Einmal abgesehen davon, dass Christoph Leitl seiner ÖVP mit dieser Wortwahl einen Bärendienst erwiesen hat. Am meisten hat er sich selbst geschadet. Wie kann ein Wirtschaftskammerpräsident einen Standort als „abgesandelt“ bezeichnen, wo er selbst eine jener Personen ist, die dafür verantwortlich sind.

Hätte er als Wirtschaftskammerchef nicht schon längst aufschreien müssen, wenn die Situation so schlimm ist? Abgesehen davon, dass die ÖVP in der Regierung die Ressorts Wirtschaft und Finanzen führt – wo waren seine Maßnahmen, um das „Absandeln“ zu verhindern. Muss er sich letztlich nicht selbst hinterfragen, wenn er diese Entwicklung in Österreich nicht verhindern konnte?