Eisenstadt

Erstellt am 19. Juli 2017, 06:41

von Werner Müllner

„Nicht-Wahlkampf“ ist auch eine Kunst. Werner Müllner über die Vorboten eines heißen Polit-Herbstes.

Sommerzeit ist Urlaubszeit, Sommerzeit ist Festivalzeit, Sommerzeit ist jene Zeit, in der die Bürger alles andere interessiert – nur keine Politik oder gar ein damit verbundener Wahlkampf. Dabei werden im Burgenland bekanntlich bereits am 1. Oktober die neuen Gemeinderäte und Bürgermeister gewählt und nur 14 Tage später geht’s auf Bundesebene um alles. Wenn die Bürger aber keinen Wahlkampf wollen, dann wird alles getan, damit die Bürger auch nicht darauf kommen, dass längst schon Wahlkampf ist.

Einerseits werden also die vielen heimischen Kultur-Events genutzt, um auf dem Society-Parkett zu glänzen. Zugleich kann dabei auch fernab von Parteibüros das eine oder andere Thema bei einem Glas Wein besprochen werden – wie zuletzt SPÖ-Minister Hans Peter Doskozil und FPÖ-Chef HC Strache bei der Opern-Premiere im Steinbruch St. Margarethen. Andererseits werden auch auf jedem Kirtag, auf jedem Sommerfest Hände geschüttelt, Kinder geherzt, Selfies gemacht und Runden geschmissen – „stiller“ Wahlkampf nach Lehrplan.

Das Wesentliche dabei ist aber die damit verbundene Frage: „Na, wie geht’s Ihnen?“ Was im ersten Moment wie Smalltalk wirkt, ist in Wirklichkeit der Kernpunkt jedes Wahlkampfes. Umfragen von Meinungsinstituten liegen längst in den Laden der Parteichefs. Dort sind all jene Themen aufgelistet, mit denen man glaubt, bei den Wählern punkten zu können.

Auf den Dorffesten hingegen bekommen die Politiker ein direktes Feedback, was die Wähler wollen, welche Themen sie interessieren. So bringt der „Nicht-Wahlkampf“ im Sommer, mit dem „Ohr am Bürger“, ein wertvolles Stimmungsbild – vor dessen Hintergrund die Politik zu Schulbeginn offiziell durchstarten kann.