Eisenstadt

Erstellt am 31. August 2016, 06:49

von Markus Stefanitsch

ORF erleidet Imageschaden. Markus Stefanitsch über das Dilemma von Alexander Wrabetz bei der Bestellung der Landesdirektoren.

Bei der derzeitigen Diskussion um die Bestellung der neu(e)n Landesdirektoren des ORF kann es eigentlich nur Verlierer geben. Und der oberste Verlierer dabei ist der ORF selbst.
Alle fünf Jahre gibt es ein ähnliches Prozedere: Der ORF-General wird vom Stiftungsrat, der fast ausschließlich aus „Partei-Freunden“ besteht, gewählt oder – so wie jetzt Alexander Wrabetz zum zweiten Mal – wiederbestellt. Damit man zum ORF-Chef gewählt werden kann, braucht man die Mehrheit im Stiftungsrat. Um diese zu bekommen, muss man den jeweiligen Stiftungsräten (= Partei) etwas „anbieten“.

Hinzu kommt, dass viele Stiftungsräte aus den Bundesländern kommen und die „Wünsche“ des jeweiligen Landeshauptmannes übermitteln. Dabei geht es in erster Linie um die Funktion des Direktors in den jeweiligen Landesstudios. Kurzum: Der ORF-General kriegt die Stimme des Stiftungsrates jedes Landes nur, wenn er auch den Wunsch-Direktor des jeweiligen Landeschefs bestellt.

Hier gilt es als fix, dass sich die burgenländische Regierung eine neue ORF-Spitze im Burgenland wünscht. Genau hier beginnt das große Dilemma des Alexander Wrabetz: Setzt er den bisherigen Landesdirektor Karlheinz Papst ab, wird die politische Einflussnahme so deutlich wie noch nie. Zudem müsste er sich für Papst einen großen Sprung in der Karriereleiter überlegen, da Wrabetz in den vergangenen Jahren besonders die Entwicklung des ORF-Burgenland immer wieder gelobt hatte. Bestellt er allerdings Karlheinz Papst am 15. September wieder, braucht er ein vernünftiges Versöhnungsangebot für Landeschef Niessl. Mitleid mit Wrabetz selbst muss man nicht haben, immerhin wird er für solche Entscheidungen fürstlich entlohnt.