Eisenstadt

Erstellt am 21. September 2016, 06:33

von Markus Stefanitsch

Trafikanten spiegeln Stimmungsbild. Markus Stefanitsch über den Frust der Bevölkerung über die (Regierungs-)Politik.

Bei der alljährlichen Trafikantentagung in der burgenländischen Wirtschaftskammer ließen die Vertreter der Branche ihrem Unmut freien Lauf. Obmann Hannes Dragschitz brachte es, wenn auch überspitzt, auf den Punkt: Obwohl sowieso nichts am Fiskus vorbeilaufen kann, müssten die Trafikanten laufend neue Papierrollen für die Registrierkassa einspannen – für Kassazettel, die die Kunden sowieso gleich wegschmeißen.

Kaum eine Regelung sorgte in der vergangenen Zeit für so viel Unmut wie die Beleg-Erteilungspflicht. In vielen Lokalen und Geschäften stehen schon eigene Behälter, wo die Kunden, die Belege gleich reinschmeißen können, noch ehe sie das Geschäft verlassen. Diese Behälter sind zumeist randvoll. Meist kommt dann von der Politik das Argument, dass in Italien die Verrechnung mit Bons seit Jahren toll funktioniert. Warum also nicht auch bei uns?

Ganz einfach: Die allgemeine wirtschaftliche Situation und Bürokratie-Flut sprechen bei uns dagegen. Dabei geht es gar nicht um die Einführung der Registrierkassa selbst. Es geht vielmehr um die verheerende Symbolik: Bei den „kleinen“ Geschäften und Unternehmen will der Staat auf Punkt und Beistrich abkassieren, bei den Großkonzernen werden alle Augen zugedrückt. Jüngstes Beispiel ist der Apple-Konzern, der scheinbar über Jahre Milliarden an Abgaben nicht bezahlt hat.

Befremdend wirkt es dann oft, wenn Politiker der SPÖ oder ÖVP über die ausufernde Bürokratie und die teils skurrilen behördlichen Auflagen jammern. Wohlwissend, dass ihre Kollegen in der Bundesregierung diese in den vergangenen Jahren selbst beschlossen haben. Solange diese Politik so am Bürger vorbei gemacht wird, solange werden Strache & Co. Wahlen gewinnen.