Erstellt am 13. Juli 2016, 06:54

von Markus Stefanitsch

Treffen Kern-Strache war Frage der Zeit. Markus Stefanitsch über die Annäherung der Bundes-SPÖ an den Niessl-Kurs.

Das sogenannte Geheimtreffen zwischen SPÖ-Bundeskanzler Christian Kern und FPÖ-Chef HC Strache auf Vermittlung von Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl war perfekt in Szene gesetzt. Erst durch die bewusste Vernebelungstaktik im Vorfeld bekam das Zusammentreffen eine derart große Bedeutung.

Dass es sowieso zu einem Gespräch des Bundeskanzlers mit dem obersten Boss der größten Oppositionspartei gekommen wäre, war immer klar. Symbolkraft hat das Treffen allemal. Vor allem innerhalb der SPÖ. Denn bislang war Christian Kern stets bemüht, den linken Flügel seiner Partei brav zu bedienen. Sowohl in seinen Aussagen als auch in seinen Auftritten.

Mit dem Schritt, sich gemeinsam mit Landeschef Hans Niessl und HC Strache an einen Tisch zu setzen, sendet Kern nun auch Signale an den Rest der SPÖ. Denn man kann davon ausgehen, dass der Großteil der SPÖ-Wähler mit dem linken Wiener Flügel nur mehr wenig am Hut hat. Jüngste Umfragen im Burgenland bestätigen dies auch. Viele FPÖ-Wähler sind vergrämte Sozialdemokraten, die aufgrund der Arbeitsmarktlage und dem Damoklesschwert Flüchtlingskrise zu den Blauen gewechselt sind. Diese wird man nicht zurückholen, indem man ihnen stets erklärt, dass die FPÖ lediglich eine Partei verkappter Nazis ist.

Hier wird Kern Anleihe nehmen müssen, die brennenden Themen in der Bevölkerung à la Niessl anzugehen. Kern wird dafür vielleicht mit „sanfterer“ Stimme sprechen, aber inhaltlich wird er näher an die SPÖ-Burgenland heranrücken müssen und die FPÖ als möglichen Koalitionspartner österreichweit zumindest ins Auge fassen. Sonst wird die ÖVP weiterhin die besseren Karten für den Koalitionspoker nach der Wahl haben — egal, wer Erster wird.