Erstellt am 19. Oktober 2011, 00:00

Mensch (Kicker) vs. Maschine (Schiri). BERNHARD FENZ über die Schiedsrichter, ihre Permanent-Bewertung und das Ablenken von interessanten Themen.

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Das Thema „Schiedsrichter“ ist in der Fußball-Bundesliga nun schon seit geraumer Zeit omnipräsent. Jüngstes Beispiel: die Aufregung rund um Christian Dintar. Der BFV-Referee verwehrte der Austria in Ried zwei Tore aufgrund von vorangegangenen Fouls. Beim Elferpfiff für Ried beurteilte Dintar dann einen Einfädel-Trick von Ivan Carril als Beinstellen. Sehr bitter für die Violetten, so einen Elfer schlucken zu müssen – aber nicht mehr und nicht weniger.

Die Reaktionen lassen fast vermuten, dass es hier nicht mehr nur um einzelne Pfiffe geht, sondern um ein negatives Gesamtbild und ein laufendes Match: Spieler/Trainer gegen Schiedsrichter. Längst wird jeder Pfiff evaluiert. Da das heutige öffentliche Anforderungsprofil für Schiedsrichter („Müssen fehlerlose Maschinen sein“) klar definiert ist, werden fast alle im Ansatz heiklen Entscheidungen durchdiskutiert und in ihre Einzelteile zerlegt. Kein Wunder: Heutzutage ist es ein Qualitäts-Gütesiegel, wenn etwa eine haarscharfe Abseitsposition („Der Oberkörper dürfte vorne gewesen sein“) aufgedeckt wird – nach Bewertung der dritten Zeitlupeneinstellung. Bravo!

Dass durch den aufgeblähten CSI-Bundesliga-Wahn in manchen TV-Spielaufarbeitungen interessante(re) Themen auf der Strecke bleiben, ist die Kehrseite. Wichtig wäre es allemal, die Öffentlichkeit etwa mit mehr Taktik-Analyen zu sensibilisieren. Schließlich geht es letztlich um die substanzielle Frage, wie sich eine Mannschaft über 90 Minuten präsentiert hat – und nicht um einen einzigen Fehlpfiff. Wer sich nur auf die Schiedsrichter versteift, der unterschätzt das komplexe Ganze.

KOMMENTAR

b.fenz@bvz.at