Erstellt am 12. Januar 2011, 00:00

Neugebauers Zeit ist vorbei. HARALD KNABL über die in Bewegung geratene Schuldiskussion.

 |  NOEN, Franz Baldauf
x  |  NOEN, Franz Baldauf

Viel wird über die neue Form der Mittelschulen diskutiert, eifrig an Neuigkeiten modelliert. Wäre nicht der oberste Beamtengewerkschafter, auf den wichtigsten Teil der Reformen wäre beinahe vergessen worden: die Entpolitisierung unseres Schulsystems, unserer Lehrerinnen und Lehrer.

Doch nach Fritz Neugebauers Drohungen, die allseits für helle Empörung sorgten, dürfen jetzt auch bislang heilige Kühe angefasst werden. Es war schon fast politische Notwehr, wie sich Vizekanzler und ÖVP-Parteichef Josef Pröll seinem Parteifreund Neugebauer entgegenstellte. Schulpolitik werde immer noch von der Regierung gemacht.

Bei aller Neuordnung an unseren Schulen, neue Bezeichnungen und neue Abschlusssysteme („Mittlere Reife“) werden zwar ein wichtiger Teil des Neuaufbruchs werden, doch längst gehören auch die Struktur und die Ausbildung der Lehrerschaft reformiert. Die zwei Stunden mehr, die Unterrichtsministerin Claudia Schmied die Lehrerinnen und Lehrer in den Klassenzimmern sehen wollte, sind da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Es geht um pädagogische Reife, um die Gabe, vermitteln zu können, um ständige Weiterbildung. Gewerkschaftsapparatschiks, wie Fritz Neugebauer einer ist, haben da nichts mehr zu suchen.

Ganz so freiwillig, wie er tut, hat Josef Pröll diesen Schritt nicht getan. Immerhin zählt die Lehrerschaft zu den Kernschichten der ÖVP-Wählerschaft. Doch mit der allein ist kein Staat mehr zu machen, will Pröll verloren gegangenes Terrain, welches 2010 allzu freiwillig hergegeben wurde, wieder zurückerobern. So gesehen, wie gesagt, ein Akt der politischen Notwehr.

LEITARTIKEL

harald.knabl@bvz.at