Erstellt am 18. Mai 2016, 06:24

von Markus Stefanitsch

Niessl wieder am „Heimweg“. Markus Stefanitsch über Hans Niessls Rückzug aus Wien und sein Verhältnis zu Christian Kern.

Mission erfüllt. Mit der Angelobung des neuen Bundeskanzlers und SPÖ-Chefs Christian Kern ist auch Landeshauptmann Hans Niessl wieder von der Österreich-Bühne abgetreten. Oder zumindest wird er in nächster Zeit wieder leiser treten und sich ausschließlich um die burgenländischen Agenden kümmern.

Hans Niessl ist zwar nicht der Königsmacher von Christian Kern, aber speziell in den vergangenen Wochen und Monaten zeigte er innerhalb und außerhalb der SPÖ auf und punktete mit einer klaren Linie. Die zwar alles andere als unumstritten ist und polarisiert hat. Die aber zu harten Diskussionen und letztendlich zum Abgang von Werner Faymann geführt hat.

Dass Niessl nicht vorinformiert und vom Zeitpunkt des Abgangs von Faymann überrascht war, wundert nicht. Immerhin waren Niessls inhaltliche Attacken gegen den Kurs der Bundesregierung in der Frage der Flüchtlings- und Arbeitsmarktpolitik indirekt immer eine politische Ohrfeige für Faymann. Unterm Strich gibt es seither in der SPÖ zwei große Lager: Den Niessl-Flügel und den linken Wiener-Flügel.

Der neue SPÖ-Chef und Bundeskanzler Christian Kern muss diese beiden Extrempositionen unter einen Hut bringen, wohlwissend, dass die Stimmung österreichweit eher auf der rigorosen Niessl-Linie ist. Die beiden Pragmatiker Kern und Niessl verbindet der Fußball und die Austria. Aber da-rüber hinaus weiß Kern, dass er Niessl lieber als Freund denn als Feind im Team hat.

Deshalb kann man davon ausgehen, dass neben Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil auch die burgenländische Handschrift im künftigen Umgang mit der FPÖ in Kerns Politik zu sehen sein wird. Da fährt mit Sicherheit die Eisenbahn drüber.