Erstellt am 24. Februar 2012, 15:52

ORF-Reform muss jetzt her. HARALD KNABL über die blamable Vorstellung von ORF-Chef Ale-xander Wrabetz.

 |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
 Kennen Sie die Reaktion eines Hundes, wenn ihm etwas unangenehm war? Genau. Er beutelt sich kräftig und hat damit die Sache aus der Welt geschafft. Für sich zumindest. Im übertragenen Sinne hat ORF-Chef Wrabetz die gleiche Taktik probiert. Gibt’s halt keinen Büroleiter Pelinka, gleich überhaupt keinen. Sprach’s, beutelte sich (sinnbildlich) und glaubte, damit aus dem Schlamassel zu sein. Was nicht stimmt. Überhaupt nicht.

Noch nie in seiner Geschichte (und es hat schon einige Krisen gegeben) ist der ORF so blamiert worden. Noch nie zuvor war so offensichtlich geworden, wie parteipolitisch gesteuert das von Zwangsgebühren gut finanzierte Medienunternehmen doch ist. Eigentlich müsste man Wrabetz dafür dankbar sein. Er hat öffentlich zur Schau gestellt, wie sehr die Politik beim ORF die Fäden zieht. Schamlos, frech und erstaunlich indiskret. Das Personalpaket, das Wrabetz für seine Wiederwahl umsetzen sollte, liegt in all seiner politischen Geschmacklosigkeit jetzt offen da. Es knirscht im Gebälk des Kü- niglbergs, nicht nur, weil das Gebäude baufällig ist.

Der ORF-Generaldirektor irrt sich, wenn er meint, nach dem Pelinka-Rückzieher wieder zur Tagesordnung übergehen zu können. Das mutige Vorgehen der ORF-Redaktion hat einen Stein ins Rollen gebracht, den auch die Politik nicht mehr stoppen kann – und will sie sich noch einen Funken an Glaubwürdigkeit erhalten, auch gar nicht stoppen sollte. Der ORF gehört endlich entpolitisiert, er gehört befreit von den Fesseln kurzsichtiger Parteistrategen, die meinen, über den ORF Volksmeinung steuern zu können. Denn das Volk ist längst klüger.