Erstellt am 15. Dezember 2010, 00:00

PISA: Wieder nichts gelernt. HARALD KNABL über die Verfehlungen der Bildungspolitik.

 |  NOEN, Franz Baldauf
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Der Katzenjammer war schon beim letzten Mal groß gewesen. Für einige Wochen hat der PISA-Test damals die öffentliche Diskussion dominiert. Dann war das Thema vom Tisch, in der Debatte um die Bildung stritt man sich lieber um lächerliche zwei Stunden, die die Lehrer länger in den Schulen bleiben sollten. Der Schulsektor verblieb nahezu unreformiert. Zum Wohle des Systems, schwer zum Nachteil der Kinder. Eigentlich unverantwortlich.

Unverantwortlich, weil es kaum einen anderen Bereich in diesem Staate gibt, dessen Verpolitisierung so direkt negative Auswirkungen auf unsere Kinder und somit auf unsere Zukunft hat. Das System ist nämlich so sehr mit sich selbst und den inneren politischen Ränkespielen beschäftigt, dass auf jene vergessen wird, die eigentlich Nutznießer und nicht Leidende eines Bildungskonzeptes sein sollten. Doch jeder Ansatz zu grundlegenden Reformen wird entweder von der Lehrergewerkschaft vom Tisch gefegt, wenn er mit Mehrarbeit verbunden ist, oder von der einen oder der anderen Koalitionspartei, wenn es um den Erhalt einer einbetonierten Grundfeste eines Parteiprogrammes geht. Es ist zu befürchten, dass sich auch dieses Mal nichts bewegen wird.

Noch eine Anmerkung: PISA ist nicht nur ein Debakel für die Schulpolitik und die Lehrer. Die Studie ist auch ein Armutszeugnis für die Familienpolitik und für uns Erwachsene. Die Bedeutung der Schule im Bildungsprozess ist groß, aber nicht singulär zu betrachten. Auch wir Eltern bekommen mit dem Versagen unserer Kinder ordentlich Fett ab. Vorbilder sein, Zeit und Geld investieren – doch das muss man sich einmal leisten können.

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