Erstellt am 25. September 2013, 08:17

Politiker sein ist nicht mehr lustig. Harald Knabl über das Machtwort von Michael Häupl in Sachen Parteiwerbung.

© Franz Baldauf , St. Pölten , 26.09.2012 , NÖN Chefredakteur und Geschäftsführer vom NÖ Pressehaus Prof. Harald Knabl  |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Es hat ihm wieder einmal gereicht. Der wohl mächtigste Mann in der SPÖ, Wiens Bürgermeister Michael Häupl, polterte in Sachen Plakatfinanzierung. Es sei den Bürgerinnen und Bürgern egal, ob die Partei oder der Parlamentsklub Wahlkampfplakate finanzieren würde. Recht hat er.

Politiker zu sein, das ist in Österreich in den meisten Fällen nicht lustig. Ob Bundeskanzler oder Bürgermeister einer kleinen Landgemeinde, die dahinter steckende Arbeit ist viel, das sich daraus ergebende Einkommen nicht adäquat. Das führt dazu, dass wir sehr viele Politiker haben, vor allem in den unteren Stufen, die Politik als Zweitjob machen oder den Brotjob als solchen betrachten.

Die kommen dann aus den Bereichen der Kammern und Gewerkschaften und ermöglichen so den großen Einfluss dieser auf politische Entscheidungen. Die schlechte Bezahlung und der schlechte Ruf der politischen Arbeit hindern hingegen viele, sich die Arbeit für den Bürger anzutun.

Und leistet sich jemand den Luxus, darf er für seine Leistungen, seine Weltanschauung nicht einmal ordentlich werben. Das sogenannte Kopfverbot in Inseraten ist der größte Humbug, den sich die Politik je angetan hat. Setzt man voraus, dass das demokratische System eigentlich verpflichtet ist, in gewissen Rahmen für sich zu werben, dann muss das auch für die Protagonisten gelten, sonst überlassen wir das politische Geschäft jenen, die es sich leisten können.

Wir sind nahe daran, dass Politik vom Grunde her anstößig gesehen wird. Der Boulevard schürt Neid und lebt auch noch gut davon, die Politik gibt diesem Schüren sehenswert ängstlich nach. Anstatt sich transparent zu Notwendigem zu bekennen.