Erstellt am 27. April 2011, 00:00

Quereinsteiger sind jetzt out. HARALD KNABL über das neue ÖVP-Team rund um Michael Spindelegger.

 |  NOEN, Franz Baldauf
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Michael Spindelegger hat ein Handwerk gelernt: nämlich jenes eines Politikers. Das ist nicht negativ gemeint. Im Gegenteil: Österreichs Innenpolitik litt in den vergangenen Jahren zu oft daran, dass nicht gelernte (und natürlich auch begabte) Frauen und Männer das Sagen hatten, sondern entweder Neueinsteiger mit Promi-Effekt oder aber Personen, die zwar aus dem Dunstkreis der Politik kamen, sich dort aber eher durch andauernde Präsenz denn durch inhaltliche Qualität auszeichneten.

Spindelegger hat also sein Handwerk gelernt. Seine Ministerliste war daher (bis auf Sebastian Kurz als Integrationsstaatssekretär und die Fachbesetzung Töchterle als Uni-Minister) keine Überraschung: Er setzt in den Schlüsselressorts auf politische Haudegen. Das wird zwar den Neuigkeitswert der Ergebnisse in Grenzen halten, dafür aber auch das peinliche Fettnäpfchenhüpfen von Quereinsteigern beenden. Unübersehbares Motto: Ein guter Politiker muss kein Ressortfachmann sein, er muss den Unbillen des Alltags trotzen können. Das Machbare vor Visionen stellen. Das klingt nicht immer gut, doch noch einmal, nach den Erfahrungen der letzten Jahre nach deutlicher Verbesserung.

Die Beharrlichkeit, die Spindeleggers Politikkarriere bislang auszeichnete, könnte der ÖVP, wird sie von seinen Mitarbeitern übernommen, gut tun.

Wie wird da die SPÖ reagieren? Zunächst sicher mit Erleichterung, sehr bald jedoch wird Werner Faymann erkennen, dass die Zeit des Herumredens vorbei ist. Jetzt werden wieder Politiker Politik machen. Uns soll‘s recht sein. Hauptsache es geht wieder einmal etwas weiter in diesem Land.

harald.knabl@bvz.at