Erstellt am 04. Mai 2016, 06:54

von Markus Stefanitsch

Schwarzer Tag für die Roten. Markus Stefanitsch über die Öffnung der SPÖ und den Abschied von Kanzler Werner Faymann.

Wien soll Burgenland werden. Geht es nach Landeshauptmann Hans Niessl, muss ein kräftiger Ruck durch die gesamte SPÖ bundesweit gehen. Der Landeschef gilt seit Längerem als schärfster Regierungskritiker. Es könne nicht sein, dass eine kleine SPÖ-Minderheit – gemeint ist damit der linke Wiener Flügel – die gesamte Parteilinie bestimmt.

Hans Niessl will daher eine österreichweite Mitgliederbefragung nach dem burgenländischen Vorbild. Auch die Frage der Öffnung zur FPÖ soll Thema werden. Er verweist dabei stets auf die bisher funktionierende Regierungspartnerschaft mit den Freiheitlichen im Burgenland. Auffallend in der jüngsten Diskussion ist, dass die wichtigsten SPÖ-Häuptlinge im Land lediglich von strukturellen Veränderungen reden, aber nicht oder nur kaum von personellen.

Die Ablöse von Bundeskanzler Werner Faymann sei nicht das Allheilmittel. Hinter vorgehaltener Hand freilich kann sich niemand mehr vorstellen, dass eine strukturelle Neuformierung der SPÖ mit einem Parteichef Faymann gehen kann. Für viele burgenländische SPÖ-Funktionäre ist der Kanzler schon länger nicht tragbar. Aussitzen und durchschwitzen wird jetzt nicht mehr reichen. Der 1. Mai-Sonntag wird in die Geschichte eingehen und wurde durch das Pfeifkonzert vor dem Wiener Rathaus zum schwarzen Tag für das rote Oberhaupt.

Die alles entscheidende Frage für die SPÖ wird dennoch jene der Öffnung zur FPÖ sein. Und genau das wird Werner Faymann, der stets gegen eine FPÖ-Zusammenarbeit war, letztendlich den Kopf kosten. Für viele Kritiker ist das die Ironie des Schicksals, weil gerade in dieser Frage der SPÖ-Kanzler (im Gegensatz zu vielen anderen Themen) in all den Jahren nie umgefallen ist.