Erstellt am 08. Juni 2016, 06:40

von Markus Stefanitsch

Simandl-Prozess als Farce. Markus Stefanitsch über den Beginn der BEGAS-Verhandlung ohne Hauptangeklagten.

Diese Woche hat der Prozess rund um einen der größten Wirtschaftskrimis des Burgenlandes begonnen – mit mehr als fahlem Beigeschmack. Denn auf der Anklagebank in der sogenannten „BEGAS- Affäre“ saß nicht der Hauptangeklagte, sondern lediglich die Statisten.

Drei von den sechs Beschuldigten haben sich kurz vor der Verhandlung überhaupt außergerichtlich geeinigt und sind mit teils aberwitzigen Geldstrafen davon gekommen. So etwa hat ein Manager, der mit allen Ehren und hohen Abfertigungen aus dem Unternehmen ausgeschieden ist, lediglich ein paar hundert Euro Geldbuße aufgebrummt bekommen. Grund: Der Angeklagte ist derzeit Notstandsbezieher und verfügt über kein weiteres Einkommen.

Aber nicht nur solche „Kleinigkeiten“ regen die Volksseele im Burgenland auf. Vor allem die Tatsache, dass Rudolf Simandl gar nicht erst vor Gericht erschienen ist, sorgt für allgemeine Verärgerung. Jener Mann, dem vorgeworfen wurde, die BEGAS um mehrere Millionen Euro erleichtert zu haben, ist nicht vernehmungs- oder verhandlungsfähig. Allerdings war er scheinbar fähig, rund drei Millionen Euro freiwillig oder im Zuge von Zivilverfahren bereits zurückzuzahlen. Gut in Erinnerung ist der Bevölkerung auch, dass Simandl erst Monate nach Bekanntwerden des Skandals damals in Untersuchungshaft musste.

Und jetzt, vier Jahre nach Simandls Auffliegen, gibt es Gutachten, die dem Ex-Vorstandsdirektor jegliche Verhandlungsfähigkeit absprechen. Gesundheit geht vor und jedem Menschen gebührt eine zweite Chance. Aber es sollte auch jeder Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Denn insgesamt leidet auch die gesamte ehemalige Belegschaft unter dem Damoklesschwert des Ex-Chefs.