Erstellt am 26. Januar 2011, 00:00

Spaziergänger. MARKUS STEFANITSCH über den Disput Land gegen Esterházy.

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Seit Generaldirektor Stefan Ottrubay die Fäden der Esterházy-Stiftungen zieht, weht ein anderer Wind im Land. Davor ging es zwischen dem Land und den Esterházy-Vertretern gemütlich zu. Typisch burgenländisch: Man hat sich gegenseitig nicht wehgetan und voneinander profitiert. Ottrubay hat das „Familienunternehmen“ auf professionelle Beine gestellt. Esterházy hat sich vom Wald-, Schloss- und Wiesenbesitzer zum Wirtschaftsimperium gemausert. Zum endgültigen Bruch zwischen Land und Esterházy ist es mit den geplatzten Verhandlungen für die Verlängerung des Schloss-Pachtvertrages in Eisenstadt gekommen. Insider sprechen auch von schweren, persönlichen Differenzen zwischen Ottrubay und Kulturlandesrat Helmut Bieler.

In erster Linie scheiterte es an der Kostenaufteilung und dem Zeitrahmen für den Umbau und die Renovierung des Schlosses. Bei einer Sitzung soll es ein legendäres Wortgefecht zwischen dem Architekten und einem Politiker gegeben haben. Als der Architekt auf Schwierigkeiten der Sanierungsmaßnahmen verwies, soll der Politiker sinngemäß gemeint haben: „Uns brauchen’s nichts erzählen, wir haben auch genug Erfahrung im Land – mit Umbauten in Kindergärten.“ Daraufhin soll der Architekt jede weitere Diskussion gemieden haben.

Wie zerrüttet das Verhältnis Land und Esterházy ist, zeigt nicht nur die jüngste Klage (siehe Seite 2): Esterházy soll als Zeichen der Versöhnung dem Land gegen Ende des Vorjahres angeboten haben, im heurigen Jubiläumsjahr gratis zehn Veranstaltungen im Schloss abhalten zu können. Seitens des Landes kam allerdings bisher keine Reaktion.

Eine Lösung werden aber beide Seiten anstreben müssen: Esterházy braucht für den 100-Millionen-Euro-Umbau öffentliche Gelder (es sei denn, es finden sich ausländische, private Investoren) und das Land kann auf die kulturelle und wirtschaftliche Stärke der Esterházy -Gruppe wohl auch nur schwer verzichten.

HINTER DEN KULISSEN DER LANDESPOLITIK

m.stefanitsch@bvz.at