Erstellt am 22. Juni 2011, 08:06

Strache ist leider ernst zu nehmen. HARALD KNABL über die Machtansprüche der Freiheitlichen.

 |  NOEN, Franz Baldauf
Eine Schattenregierung der FPÖ soll Werner Faymann und Michael Spindelegger jetzt das Fürchten lehren. Und: Die FPÖ bereite sich vor, nach den nächsten Wahlen Verantwortung zu tragen. Heinz Christian Strache sieht seine Zeit gekommen. Was der Parteichef der Freiheitlichen dabei übersieht, ist, dass es nicht die Leistungen seiner Partei waren, die den Aufwind für die FPÖ brachten, sondern das Versagen der Regierungsparteien.
Noch immer hält eine Mehrheit die Blauen eigentlich nicht für regierungsfähig. Trotzdem würde mittlerweile die FPÖ bei einer Nationalratswahl stark zulegen, vielleicht sogar die stimmenstärkste Partei stellen. Ein Widerspruch, der die gesamte Tragik des politischen Momentums darstellt: Eigentlich will man diese FPÖ gar nicht wirklich, mag deren ganz rechte Ränder schon gar nicht, will mit teils abstoßenden Thesen und mit unserem Weltbild nichts mehr zu tun habenden Schönredereien zur NS-Zeit nichts zu tun haben.

Auf der anderen Seite sieht sich bald eine Mehrheit in diesem Lande nicht mehr imstande, dem kleinlichen Parteienstreit der Regierungsparteien weiter zu folgen. Das kann schon zur Denkzettelwahl verleiten. Und da steht die FPÖ derzeit ziemlich als einziges Angebot da. Auch, weil sich die Grünen in Wien schon nach ganz kurzer Zeit dankbar in die Umklammerung Michael Häupls begeben haben.
Alleine aus diesen Gründen sollte man die Ansagen Straches beim Bundesparteitag ernst nehmen. Nicht deren sachlichen Inhalt, sondern die daraus folgenden Machtansprüche. Das einzige Fazit für die Regierung aus der G’schicht klingt abgedroschen, stimmt aber: Leistung bringen.