Erstellt am 19. Juni 2013, 09:54

Straches skurriler Kanzler-Anspruch. Harald Knabl über die kalkulierbar gewordene FPÖ.

© Franz Baldauf , St. Pölten , 26.09.2012 , NÖN Chefredakteur und Geschäftsführer vom NÖ Pressehaus Prof. Harald Knabl  |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Fast zwei Stunden lang versuchte am Wochenende der FPÖ-Parteichef, seine Partei zu reanimieren. Am Erfolg darf gezweifelt werden. H. C. Strache muss einsehen: Die FPÖ ist von einer Protestpartei, die auch nicht rechtsgerichtete Unzufriedene anzog, zum Auffangbecken für nationalistisch Denkende geworden.
Auch wenn er es noch so oft bestreitet: H. C. Strache leidet noch immer am Schatten, den Jörg Haider in der FPÖ wirft. Zwar ist dessen Denkmal längst demontiert, seine politischen Erfolge als Politiker in Verantwortung längst entzaubert, doch den Spagat zwischen frechem Oppositionellen und rechten Recken schaffte der Kärntner allemal besser als Strache. Die FPÖ ist kalkulierbar geworden. Sie steht rechts, sehr weit rechts.

Die Wahlgänge des Jahres geben Grund zur Annahme, dass das ganz rechte Lager in Österreich ein Minderheitenprogramm ist. Wenn es ein skurriler Haufen rund um einen unberechenbar agierenden Milliardär schafft, die Blauen das Fürchten zu lehren, dann lässt sich leicht ausrechnen, wie groß der Anteil der Proteststimmen war, die die FPÖ in den letzten Jahren für sich gewinnen konnte. Die These darf daher lauten: Die FPÖ lebte von den Stimmen gegen SPÖ und ÖVP und nicht von den Stimmen fürs eigene Programm. Das muss ernüchternd sein.

Straches Anspruch auf den Bundeskanzler ist Motivierungsgetöse und entbehrt jeglichem realistischen Hintergrund. Selbst die Grünen, ja selbst die Stronachianer haben im September mehr Chancen, in die Regierung zu kommen, als die FPÖ. Und ewig, das zeigen nicht zuletzt die Grünen, ist’s als kläffende Oppositionspartei auch nicht abendfüllend.