Erstellt am 18. September 2013, 08:24

Unsere Politiker zeigten Würde. Harald Knabl über die Reaktionen im Wahlkampf zu Barbara Prammers Rückzug.

© Franz Baldauf , St. Pölten , 26.09.2012 , NÖN Chefredakteur und Geschäftsführer vom NÖ Pressehaus Prof. Harald Knabl  |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Der ganze Zirkus war so richtig in die Gänge gekommen, das Show-Spektakel Wahlkampf schon fast am Höhepunkt. Dutzende Wahldiskussionen, hunderte Interviews abgefertigt. Und dann die Nachricht, die uns alle für einige Momente gedanklich abkehren ließ von der Showbühne des Wahlkampfes: die Nachricht von einer schweren Erkrankung der Nationalratspräsidentin.

Die Reaktion der politischen Mitprotagonisten Prammers, über alle Parteigrenzen hinweg, war, und man darf ja auch einmal Anerkennung zollen, großartig. Sie zeugte einerseits davon, dass die Oberösterreicherin ihren Job als Präsidentin des Nationalrates bislang tadellos gemacht hatte und auch persönlich sehr beliebt ist, sie zeugt allerdings auch davon, dass bei allem, was unsere Parteienlandschaft voneinander trennt, bei allen persönlichen Sympathien und Antipathien, es doch eine Ebene an Respekt gibt, die Parteistrategen in kein Programm zu schreiben brauchen, weil sie bei uns gesellschaftsimmanent ist. Das tut gut.

Die Nachdenkpause hat nicht lange gedauert. Und auch das ist richtig so. Der Wettstreit der Parteien gehört zum demokratischen System. Er könnte inhaltsreicher sein, zugegeben, er könnte weniger skurril sein, ganz sicher. Doch er gehört dazu, wie der Gang zur Wahlurne, wie die Meinungsäußerung am Stimmzettel.

Die Meldung von der Erkrankung Prammers hat diesen Wahlkampf aufs rechte Maß gestutzt. Das Innehalten und die Reaktionen der am Spektakel „Wahlkampf 2013“ beteiligten Mitspieler hat eine Grundstimmung ans Tageslicht befördert, von der man hätte glauben können, Österreichs Innenpolitik hätte sie verloren: jene von Respekt und Würde.