Erstellt am 17. Juli 2013, 07:04

USA-Affäre: Keine Überraschung. Harald Knabl über Online-Bespitzelung und die Reaktion unserer Politiker.

© Franz Baldauf , St. Pölten , 26.09.2012 , NÖN Chefredakteur und Geschäftsführer vom NÖ Pressehaus Prof. Harald Knabl  |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Ober sticht Unter. Die Großen fressen die Kleinen. Amerika schert sich so ziemlich gar nicht um den Rest der Welt. Also wurden (mit ziemlich größter Wahrscheinlichkeit WERDEN) wir auch vom großen Spieler jenseits des Atlantiks online bespitzelt. Also ehrlich, Überraschung war das keine. Außer scheinbar für unsere Politiker, die ordnungsgemäß empört reagierten.

Es ist schon ein österreichischer Charakterzug, dass wir in Sachen Weltzugehörigkeit gerne die Rosinen aus dem Kuchen picken. So auch in unserer Beziehung zu den USA. Was wir den Amerikanern in Sachen Kulturnation und Mozartkugeln vormachen, widerspiegelt schon lange nicht mehr das moderne, in Sachen Demokratie den USA weit vorangehende Österreich. Aber weil uns die Amis dafür lieben, wiegen wir uns im falschen Glauben, dass (zum Beispiel) bei der weltweit praktizierten Überwachungsmanie der Amerikaner ausgerechnet Österreich ausgenommen sein sollte.

Natürlich sind da nicht nur die heimischen Politiker schuld. Sie sind vielmehr Getriebene unserer Mentalität, die uns anreizt, uns weltweit ein wenig zu wichtig zu nehmen. So wie wir ja auch glauben, der Skisport sei der Nabel der Sportwelt, nur weil wir in diesem Fach wirklich gut sind. Nicht auszudenken also, Faymanns Mannschaft hätte ohne Empörung reagiert und sich hingestellt und gesagt: Tut leid, damit war leider zu rechnen, warum sollte Österreich da eine Ausnahme sein.

Was bleibt? Verständnis für die durchsichtige Reaktion unserer Politiker und leider die Feststellung, dass halt eben gilt, dass Ober Unter sticht, dass der die Musi macht, der das Geld hat und dass Groß Klein frisst.