Erstellt am 23. November 2011, 08:47

Volk will keine Spar-Politik. HARALD KNABL über das beim Volk beliebte Schuldenmachen.

 |  NOEN, Franz Baldauf (Franz Baldauf)
Und unversehens ist es passiert. Plötzlich scheinen wir mittendrin in dieser Krise, urplötzlich ist auch in Österreich die Rede von schlechterer Bonität, hohen Schulden. Urplötzlich?
Hand aufs Herz. Beim Thema Sparen waren wir noch nie Weltmeister. Bruno Kreisky brachte es schon in den Achtzigerjahren auf den Punkt, als er meinte, dass ihm ein paar Millionen (Schillinge) mehr an Schulden lieber seien als Arbeitslose. Der SPÖ-Kanzler wurde damals dafür breit gelobt, warnende Stimmen, Josef Taus war so eine, als kleinliche Spießbürger bei diversen Wahlgängen abgestraft.

Was folgte, das waren Jahre, nein Jahrzehnte der Politik der Neuverschuldung, nur kurz unterbrochen von Phasen der Einsicht. Doch das Volk hatte (und hat?) kein Verständnis für sparsame Politik. Nicht jene Politiker gewannen und gewinnen Wahlen, die von Einschnitten und Schuldenkürzung sprechen, sondern jene, die großzügig verteilen, oder zumindest versprechen, es zu tun. Wäre das nicht so, Werner Faymann dürfte nicht Kanzler sein.
In einer Demokratie finden sich immer welche, die opportunistisch verteilen. Das ist der Nachteil dieser Staatsform.
Es klingt abgedroschen, wenn jetzt gesagt wird, dass wir den Gürtel werden enger schnallen müssen. Und doch ist es die Wahrheit. Spätestens 2013 wird die Schuldenkrise zum Wahlkampfthema. Und spätestens zu diesem Zeitpunkt werden wir alle diese Krise in unseren Geldbörsen spüren. Die fetten Jahre auf Pump werden vorbei sein. Und dann wird sich zeigen, ob wir, anders als die Griechen oder Italiener, den Verlockungen des Populismus widerstehen können.