Erstellt am 16. November 2011, 08:01

Wann handelt der Kanzler?. HARALD KNABL über die blamable Darbietung von Minister Norbert Darabos.

 |  NOEN, Franz Baldauf
So was gibt es nur in Österreich, ist man verleitet zu sagen. Stimmt natürlich nicht wirklich. So was gibt es auch in Italien, am Balkan, in manchen Ländern des Nahen Ostens, irgendwo in Afrika, in Mittel- oder Südamerika. In all diesen Regionen muss ein Minister auch nicht abdanken, wenn er sich dermaßen blamiert hat, wie es Norbert Darabos mit der versuchten Absetzung seines höchsten Generals getan hat. Doch wollen wir unsere politische Kultur wirklich mit jenen Ländern vergleichen lassen?

Man kommt ja aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Da bastelt ein Ministerbüro wochenlang, und ich denke einmal, sich auch der Tragweite dieser Liste bewusst, eine lange Liste an angeblichen Verfehlungen des Generals, und diese wird dann dermaßen zerfleddert, dass die Herrschaften rund um den Minister, und klarerweise er selbst auch, mit dem Eigenschaftswort „blamiert“ eigentlich noch relativ gut davonkommen. Da sollte als Ausweg nur noch der Rücktritt infrage kommen, überall anders in der westlichen Demokratie wäre das auch so. Nicht so bei uns in Österreich.

Das Einsehen des Kanzlers, mit der Bestellung von Darabos einen gewaltigen politischen Fehler gemacht zu haben, ist nicht gegeben, und daher passiert auch nichts. Vom Kanzler fehlt jede Spur, er lässt höchstens ausrichten, die restliche SP-Parteispitze mauert oder schweigt ziemlich verunsichert (was schon ein zusätzlicher Hinweis für Darabos sein sollte). Es wird alles nichts nützen: Norbert Darabos wollte diesen Job nicht, er fühlt sich auch nicht wohl in diesem Job, vor allem aber kann er ihn auch nicht. Wann, bitte schön, erkennt das der Kanzler?