Erstellt am 22. Dezember 2010, 00:00

Was können wir alles tun?. HARALD KNABL über die Forderung von Kardinal Schönborn nach Mitverantwortung.

 |  NOEN, Franz Baldauf
x  |  NOEN, Franz Baldauf

Vorweihnachtliche Stille legt sich über Österreich. Der Handel ist zufrieden. Die Innenpolitik ist frühzeitig in den Weihnachtsurlaub gegangen, nach dem undifferenzierten Scharmützel rund um die PISA-Studie auch nicht schlecht. Weiße Weihnachten sind nicht unwahrscheinlich. Eine österreichische Idylle. Fast.

Und dann platzt Kardinal Christoph Schönborn in diesen trügerischen Frieden. Mutig kehrt er vor der eigenen Kirchen-Türe und spricht vom schlimmsten Jahr für Österreichs Kirche seit der Nazi-Zeit, gibt offen die Folgen der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche zu. Hunderttausend Menschen werden 2010 „ihrer“ Kirche den Rücken gekehrt haben. Die Kirche habe sich dieser Herausforderung mit dem Entschluss zur ehrlichen Aufarbeitung gestellt.

Starke Worte. Worte, die Schönborn aber auch die Berechtigung geben, schonungslos mit den gesellschaftspolitischen Entwicklungen in diesem Staate ins Gericht zu gehen. Die Bevölkerung traue der Politik nicht mehr, Interessenvertretungen würden „wohlerworbene Rechte“ über das Allgemeinwohl stellen, meinte er sinngemäß im Rahmen einer Matinee zugunsten des Stephansdomes. Die politische Gardinenpredigt des Kardinals endete uns alle, liebe Leser, mit in die Verantwortung nehmend: Was können wir alle für diesen Staat tun?

Eine nicht leichte Hausübung für die Weihnachtsferien, die uns der Kardinal da für die kommenden Tage gegeben hat. Aber, so bin ich überzeugt, eine sich lohnende und reizvolle. In diesem Sinne ein frohes, gesegnetes und hoffentlich auch ein friedvolles Weihnachtsfest.

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