Erstellt am 20. April 2011, 07:13

Was schafft Spindelegger?. MARTIN GEBHART über den Nachfolger von ÖVP-Vizekanzler Josef Pröll

Martin Gebhart , Chefredakteur NÖN , 14.11.2005 © Foto: Franz Baldauf, Tel.: +43 650 333 33 15, E-Mail: Studio@fotobaldauf.at, www.bilder.services.at, Bank: BA-CA, Blz 12000, Kto.Nr.: 949 005 797, UID: ATU 20 46 58 05  |  NOEN
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Dass Wirtschaftsbund-Obmann Christoph Leitl der einzige hohe ÖVP-Funktionär ist, dem die rasche Wahl von Michael Spindelegger zum designierten Bundesparteiobmann ein Dorn im Auge ist, spricht für die Entscheidung und nicht dagegen. Seine These, dass jedes ordentliche Unternehmen davor eine lange inhaltliche Diskussion geführt hätte, lässt jeglichen politischen Realitätssinn vermissen. Vor allem ist eine Partei kein Unternehmen, da die Entscheidungsstrukturen ganz anders gelagert sind.

Aber Christoph Leitl ist in dieser Frage der Bundes-ÖVP ohnehin nur ein Nebenschauplatz. Viel wichtiger ist die Frage, was die ÖVP von Michael Spindelegger erwarten kann. Wie er es schafft, seine Partei als Nachfolger des Strahlemanns Josef Pröll wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Trotz der Affären wie jener um Ernst Strasser.

Eines ist auffallend: Vorschusslorbeeren hat der künftige Bundesparteiobmann und Vizekanzler vorerst wenig erhalten. Vor allem nicht in der Öffentlichkeit außerhalb der Partei. Da wird seine Konsensfähigkeit als negativ eingestuft, da wird er als „graue Maus“ bezeichnet etc.

Allen diesen Beurteilungen liegt zugrunde, dass sie Michael Spindelegger nicht wirklich komplett einschätzen können. Der Mann, der scheinbar immer ein leichtes Lächeln auf seinen Lippen hat, musste als Politiker in Niederösterreich lernen, wie hart dieses Geschäft sein kann. Innerhalb und außerhalb der Partei. Dennoch hat er seinen Weg – größtenteils abseits der Öffentlichkeit, trotz einiger Rückschläge – konsequent fortgesetzt. Deswegen ist ihm jetzt auch an der Spitze der ÖVP ein guter Job zuzutrauen.

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