Erstellt am 17. November 2010, 00:00

Weg mit dieser unnötigen Regel!. BERNHARD FENZ über den Torjubel und das schwachsinnige Drehbuch, das die Emotion verbietet.

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Wenn Patrick Bürger nach seinem Tor zum 2:1 gegen Rapid auf die Barrikade der Haupttribüne springt, jubelt, nach vorne kippt, im Zuschauerraum landet und danach die Ampelkarte sieht, geht es nicht um korrekt oder inkorrekt. Es ist die Regel (siehe Infobox unten).

Genauso wenig geht es um die Frage, ob einem Rapid-Spieler bei einer ähnliche Szene im Hanappi-Stadion Gelb-Rot erspart geblieben wäre. SVM-Boss Martin Pucher brachte unter anderem diese Ungerechtigkeit auf die Palme, wie er direkt nach Schlusspfiff emotional und am Tag danach in der Sendung „Talk und Tore“ sachlicher vor der Sky-Kamera zu verstehen gab.

Zu hinterfragen gibt es bei dieser Thematik nur eines: die Regel an sich. Zugegeben: Höhnischer, provozierender Jubel ist in der Tat unsportlich. Und? Soll eben dieser Punkt verankert bleiben. Nur deshalb aber ein Disziplinar-Korsett zu schnüren, das sich gegen jede – positive – Emotion richtet, ist Schwachsinn zum Quadrat. Eine halbe Minute lang auszucken muss doch hoffentlich drin sein, wenn kurz davor Großes vollbracht wurde. Gerade hier haben die Macher aber versagt. Denn echter, ehrlicher Fußball ist oft mehr als nur eine peinlich gekünstelte Regel.

b.fenz@bvz.at

FIFA-SPIELREGEL 2010/2011, REGEL 12, TORJUBEL
„Zwar ist es einem Spieler erlaubt, seiner Freude nach einem Treffer Ausdruck zu verleihen, doch darf der Torjubel nicht übertrieben werden. Torjubel ist in angemessenem Rahmen gestattet. Zu unterbinden sind jedoch „choreografierte“ Jubelszenen, wenn dadurch zu viel Zeit verloren geht. Die Schiedsrichter sind angewiesen, in solchen Fällen einzuschreiten. Ein Spieler wird verwarnt, wenn er:

  • nach Meinung des Schiedsrichters mit provozierenden, höhnischen oderaufhetzenden Gesten jubelt,
  • an einem Zaun hochklettert, um einen Treffer zu feiern (Anmerkung der Redaktion: unter „Zaun“ ist laut Burgenlands Schiedsrichterobmann Günter Benkö auch die Bande oder eine Absperrung zu verstehen),
  • sein Hemd auszieht oder es über seinen Kopf stülpt,
  • Kopf oder Gesicht mit einer Maske oder Ähnlichem bedeckt.

Das Verlassen des Spielfelds beim Torjubel ist an sich noch kein verwarnungswürdiges Vergehen, doch sind die Spieler angehalten, so rasch wie möglich auf das Feld zurückzukehren.
Von den Schiedsrichtern wird erwartet, dass sie in solchen Situationen präventiv auf die Spieler einwirken und bei der Beurteilung des Torjubels gesunden Menschenverstand walten lassen.“ Die FIFA-Regeln sind auch unter www.bgld-schiedsrichter.at abrufbar