Erstellt am 13. Oktober 2010, 12:45

Wien: Koalition der Verlierer. HARALD KNABL über die Wien-Wahl und deren Konsequenzen.

 |  NOEN, Franz Baldauf
Kein Budget, Stillstand in der Bundespolitik. Was alles haben wir wegen der „Wahl aller Wahlen“ dieses Jahres in Kauf nehmen müssen. Wie oft haben wir geglaubt, dass die Parteien der Bundesregierung an unserem Verstand zweifeln. Jetzt ist die Rechnung da. Sie hat keine Überraschung gebracht. Und hat neben SPÖ und ÖVP (ein wenig auch die Grünen) einen weiteren Verlierer serviert: die Politik, die glaubt, mit Täuschen und Tarnen den Souverän hinhalten zu können.

Es war alles so greifbar, so durchsichtig. Wien hat gewählt, wie Michael Häupl dieses Land regiert hat, wie die blamable ÖVP sich in den letzten Jahren in dieser Stadt präsentiert hat. Und auch, wie sich die Bundesregierung dieses Staates benimmt. Wahllos herzlos, meist (parteipolitisch motiviert) zerstritten.

Und jetzt? Jetzt bleibt in Wien wohl nur die Koalition der Verlierer. Für H.C. Strache ist das egal. Er hatte ohnehin nie vor (obwohl seinen Beteuerungen trotzdem sicher viele Wählerinnen und Wähler geglaubt haben), ernsthaft in die Wiener Politik einzusteigen.

Schlüsse aus diesen Wahlen? Es ist zu befürchten, dass die falschen gezogen werden. Nicht die Hartherzigkeit der Innenministerin, keine millionenschweren Inseratenkampagnen in ganz speziellen Tageszeitungen werden SPÖ und ÖVP vor weiteren Abstürzen retten, sondern Politik abseits von verschrobenen Theorien von Beratern, die Menschen als berechenbares Stimmgut betrachten. Ehrlichkeit ist angesagt, erdige, glaubwürdige Verbundenheit mit den Menschen dieses Staates.
Wien bleibt Wien, Wien ist aber nicht anders. Höret die Signale. Es ist höchst an der Zeit.