Erstellt am 17. November 2010, 00:00

Wien: Rot-Grün und die Folgen. Wird Wien jetzt wirklich anders? Mit der Koalition in der Bundeshauptstadt hat Michael Häupl ein neues Kapitel in Österreichs Politik aufgeschlagen. Rot-Grün gab es bislang überhaupt noch nicht. Kann das funktionieren? Warum nicht? Schwarz-Grün funktioniert (etwa in Oberösterreich) ja auch.

 |  NOEN, Franz Baldauf
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Wird Wien jetzt wirklich anders? Mit der Koalition in der Bundeshauptstadt hat Michael Häupl ein neues Kapitel in Österreichs Politik aufgeschlagen. Rot-Grün gab es bislang überhaupt noch nicht. Kann das funktionieren? Warum nicht? Schwarz-Grün funktioniert (etwa in Oberösterreich) ja auch.

Eines darf man bei allem Sensationswert der neuen Wiener Stadtregierung nicht übersehen: Auch mit den Grünen konnte Michael Häupl nur eine Koalition der Verlierer bilden. Und: Den Grünen geht es seit dem Wechsel von Van der Bellen zu Glawischnig gar nicht gut. So gesehen ist die fast kindliche Freude der Grün-Chefin verständlich, die sie nach Fixierung der Zusammenarbeit mit der SPÖ in Wien spüren ließ. Wien soll scheinbar eine Trendumkehr bewirken. Ob eine risikoreiche Regierungsbeteiligung in der Bundeshauptstadt die wirklich bringen kann, darf bezweifelt werden. Den Grünen mangelt es nämlich nicht an klugen Köpfen, den Grünen mangelt es an Struktur und Berechenbarkeit. Und das birgt gerade in Wien Sprengstoff.

Und die FPÖ? H.C. Straches Drängen in die Wiener Stadtregierung und die Empörung nach der Absage von Michael Häupl war gekonntes Schauspiel. Nie und nimmer hätte Strache in Wien Verantwortung übernommen. Vom Oppositionsbankerl lässt sich nämlich vortrefflich kläffen; den Fehler, den Jörg Haider machte, als er sich von Wolfgang Schüssel überreden ließ, Regierungsverantwortung zu übernehmen, wird Strache nicht so schnell machen. Da ist es viel bequemer, erste Reihe fußfrei zu sitzen und auf Fehler zu warten. Und die werden, das ist fix anzunehmen, kommen.

harald.knabl@bvz.at