Erstellt am 25. Mai 2011, 00:00

Wunsch nach Alles-Könnern. HARALD KNABL über Politiker als Eier legende Woll-Milch-Schweine.

 |  NOEN, Franz Baldauf
x  |  NOEN, Franz Baldauf

Hätte man vor zwei Jahrzehnten eine Partei, die bei einer Sonntagsfrage zwischen zwanzig und dreißig Prozent Zustimmung erhält, als Großpartei bezeichnet, höhnisches Gelächter wäre einem gesichert gewesen. Jetzt ist eine Partei mit 28 Prozent an der Spitze. Und es ist nicht die SPÖ. Schon gar nicht die ÖVP.

Klar, die Lähmung, die die Regierungsparteien gegenseitig auslösen, widerliche Affären der Marke Ernst Strasser, durchsichtiger Populismus, wie ihn Werner Faymann praktiziert, und ein Justizverhalten, das der Bevölkerung das nachhaltige Gefühl gibt, dass es sich „die da oben“ eh’ immer wieder richten können, haben das uralte Vorurteil, dass eine Koalition zwischen SPÖ und ÖVP alleine den Parteien und dem damit verbundenen Proporz dient, nicht nur bestätigt, nein, leider noch verstärkt.

Doch gelegentlich sollte man sich als Staatsbürger auch die Frage stellen, was unser Verschulden an der Situation ist. Und auf alle Fälle sollten das wir Medienmenschen tun.

Der Schreiber dieser Zeilen, liebe Leserin, lieber Leser, möchte nämlich eines auf gar keinen Fall sein: Politiker in Österreich. In diesem Lande erwartet man von politischen Managern Eigenschaften, die an die berühmte Eier legende Wollmilchsau erinnern. Bezahlen wollen wir selbstverständlich nichts dafür. Und zum Kontrolleur dieser Unmöglichkeit haben sich Boulevardmedien ernannt, die vom selbst geschürten Neid leben.

Das Ergebnis: Wir werden bald keine gescheiten Leute mehr finden, die sich den Job und die Verantwortung (für relativ wenig Geld) antun. Ein Stück dieses Weges (und ein gar nicht so kleines) sind wir schon gegangen.

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harald.knabl@bvz.at