Erstellt am 22. März 2016, 13:55

115. Geburtstag von Paul Esterházy. Am Mittwoch (23. März 2016) jährt sich zum 115. Mal der Geburtstag von Paul Esterházy de Galantha.

Paul und Melinda Esterhazy  |  NOEN, Esterhazy Privatstiftung
Der zwölfte und letzte Majoratsherr des Hauses Esterházy hat Zeit seines Lebens Impulse für das Burgenland gesetzt – von der Schaffung von Büro- und Wohnräumlichkeiten gleich nach dem Entstehen des jungen Bundeslandes 1921 bis hin zur Weichenstellung für den Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel und der Öffnung der größten historischen Baudenkmäler des Burgenlandes.

Frühes Erbe, bewegtes Leben

Paul Esterházy de Galantha wurde am 23. März 1901 als Sohn von Nikolaus Paul und Margit Esterházy im Schloss Eisenstadt geboren. Nach dem frühen Tod seiner Eltern – seine Mutter verlor er im Alter von 9 Jahren, seinen Vater mit 19 Jahren - trat er 1920 kurz nach Ende des ersten Weltkriegs das Erbe des größten ungarischen Privatbesitzes an. Nach der Kapitulation von Deutschland und Österreich 1921/22 wurde der Besitz in den Friedensverträgen von Trianon und St. Germain auf die zwei neu entstandenen Staaten, die Republik Österreich und das Königreich Ungarn aufgeteilt.

Aufgrund der politischen Unsicherheit dieser Zeit (Bürgerkrieg und Aufstände) verlegte er seinen Lebensmittelpunkt nach Ungarn und schloss dort sein Jurastudium ab. Zudem eignete er sich ein breites Wissen in der Forstwirtschaft an. Unter der nationalsozialistischen Herrschaft in Österreich ab 1938 vermied er die Anwesenheit in Österreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg heiratete er die damalige Startänzerin der Budapester Oper, Melinda Ottrubay.

In Ungarn wurde der Großgrundbesitz ab 1946 systematisch enteignet, in Österreich wurde Paul Esterházy durch die Sowjet-Verwaltung die Verfügung über den Besitz entzogen. 1948 wurde er in Budapest festgenommen und in einem Schauprozess zu 18 Jahren Kerkerhaft verurteilt. Während des Aufstandes 1956 wurde er befreit und konnte gemeinsam mit seiner Frau nach Österreich fliehen.

In Wien angekommen, empfahlen ihnen politisch erfahrene Personen aufgrund der unsicheren Lage in Österreich die Weiterreise in die Schweiz, wo sich das Paar 1957 in Zürich niederließ. Von dort verwaltete Dr. Paul Esterházy den Besitz im Burgenland bis zu seinem Ableben am 25. Mai 1989, im 88. Lebensjahr. Da er kinderlos verstorben war, setzte er seine Gattin Melinda als Universalerbin des historischen Besitzes ein. Diese brachte den Besitz von 1994 bis 2004 in österreichische Privatstiftungen ein.

Unterstützung für das junge Burgenland

Schon kurz nach Antritt seines Erbes zeigte Dr. Paul Esterházy eine große Bereitschaft, das neu entstandene Burgenland auf vielfältige Weise zu unterstützen. Einen wesentlichen Beitrag leistete er, indem er dem Land eine Reihe wichtiger und großer Grundstücke und Immobilien gegen einen symbolischen Pachtschilling überließ.

In dem 1925 zum Sitz der Landesregierung, und später zur Landeshauptstadt, bestimmten Eisenstadt stellte er kostenlos Grundstücke zur Schaffung von Wohn- und Büroräumlichkeiten zur Verfügung. Im Zuge des sogenannten „Viergebäudevertrages“ vermietete er dem Bund in Eisenstadt vier Gebäude für den Zeitraum von 30 Jahren für einen symbolischen Betrag und unterstützte den Bau des Regierungsgebäudes durch eine großzügige Spende von Baumaterialien.

Dieses vielfältige Engagement von Dr. Paul Esterházy für das Land und die Landeshauptstadt Eisenstadt – ganz besonders in den Jahren zwischen 1921 und 1938 - wird zurzeit genau erforscht und soll noch in diesem Jahr veröffentlicht werden. Im Gegensatz zu vielen Adeligen seiner Zeit hatte Paul Esterházy bereits damals ein ausgeprägtes Gefühl für die demokratische Entwicklung in Europa. Deshalb missfiel ihm die autoritäre Regierung von Reichsverweser Miklós Horthy in Budapest.

Weder war er bereit, dem ihm angebotenen Sitz im Oberhaus einzunehmen, der ihm als Mitglied des Hochadels eigentlich zustand, noch suchte er die Gesellschaft der damaligen Regierung in Ungarn. Nachweislich gab es während der 22-jährigen Herrschaft von Horthy nur ein formelles Zusammentreffen, anlässlich einer Jagdeinladung in Fertod. Nach dem Putsch der faschistischen Pfeilkreutzler in Ungarn 1944 unterstützte er bedrängte ungarische Juden durch Lebensmittellieferungen und durch namhafte Geldbeträge.

Weichenstellung für Nationalpark und Weltkulturerbe

Sein ganzes Leben hindurch war Dr. Paul Esterházy der Natur stark verbunden. Dies zeigte sich nicht zuletzt durch die besondere Pflege und Schonung den großen Waldflächen, die durch die russischen Besatzungstruppen 1954/55 devastiert worden waren. Noch zu seinen Lebzeiten wurde von der Landesregierung ein vorbereitender Arbeitsausschuss für einen Nationalpark eingerichtet.

Prof. Antal Festetics, ein enger Freund Paul Esterházys, war einer der entscheidenden Motoren für die Schaffung des Nationalparks. Im Februar 1993 trat das Nationalparkgesetz in Kraft, die wertvolle Kern- und Ruhezone stellt Esterházy'schen Besitz dar. Ohne diese Fläche wäre der Nationalpark nicht entstanden.

Aufgrund der Einzigartigkeit der Kulturlandschaft wurde das Gebiet rund um den Steppensee 2001 zum UNESCO-Welterbe erklärt, 2016 feiert das Welterbe sein 15-jähriges Jubiläum. Damit konnten Dr. Paul und Melinda Esterházy durch ihre Vorausschau ganz wesentlich zum Entstehen dieses Weltkulturerbes beitragen.