Erstellt am 25. Februar 2015, 07:55

von Bettina Eder und Wolfgang Millendorfer

„Es geht hier um Menschen“. Während die neuen Arbeitszeiten für Personalmangel in den Spitälern sorgen, geraten sich Land und Kammer in die Haare. Streit um Strukturen und Gehälter geht weiter.

Auslöser: Mit Peter Filzmaiers Gesundheitsbarometer präsentierten Peter Rezar und René Schnedl (v.l.) auch die Ärzte-Gehälter. Foto: Eder/BVZ  |  NOEN, Eder/BVZ
Die Töne werden rauer im Disput rund um das neue Ärzte-Arbeitszeitgesetz – die Veröffentlichung der Netto-Einkommen durch das Land ließ die Wogen endgültig hochgehen (siehe unten).

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Ärztekammer-Präsident Michael Lang (Foto links) sieht die Zahlen als überhöht an und eine „Neid-Schür-Aktion“; vom „Aufräumen mit Mythen“ spricht dagegen KRAGES-Geschäftsführer René Schnedl.

Die Gehälter nach dem neuen Arbeitszeitgesetz sind freilich noch Verhandlungssache –  dass etwas dazukommen muss, um gegenüber anderen Bundesländern konkurrenzfähig zu sein, darüber sind sich alle einig.

Struktur oder Gehalt: Was kommt zuerst?

Es spießt sich aber noch an der Verhandlungsagenda: Landesrat Peter Rezar und Schnedl hätten gerne zuerst eine Strukturreform und dann das Gehalt, die Ärztekammer zuerst das Gehalt und dann die Änderung der Struktur besprochen.

Im Mittelpunkt der Strukturreform steht für die Dienstgeber die Einführung des Zwölf-Stunden-Dienstes. Dieser soll die im Gesetz festgelegte Reduktion auf 48 Maximal-Arbeitsstunden pro Woche abfedern.

Das würde „die Regenerationszeit verkürzen und damit mehr Kapazitäten im OP freimachen“, heißt es seitens des Landes. Für Lang sind die Pläne nicht weitreichend genug: „Aufgrund der Ruhezeiten werden ja dennoch Ärzte fehlen.“

Lang schlägt Alarm: „Es brennt der Hut?“

Die Primarärzte schlugen zuletzt in diesem Zusammenhang Alarm und sprachen von zusätzlichen 50 Ärzten, die benötigt würden. Der Dienstgeber setzt den Bedarf weit niedriger an. Recht hätten aber beide, so Schnedl: „Die Primarärzte gehen von dem Modell aus, das es heute gibt und wir gehen von einem Modell aus, das es morgen geben muss.“

Für Lang wiederum drängt die Zeit: „Es brennt der Hut. Während bei uns noch schön geredet wird, hat man in anderen Bundesländern gehandelt und ein neues Gehaltsschema etabliert.“

Wenn am Mittwoch die Gespräche weitergehen, soll das „zerschlagene Porzellan“ vergessen werden. Denn: „Es geht hier um Menschen.“ Obwohl sich derzeit die Beschwerden häufen, wird darauf verwiesen, dass die Akutversorgung gesichert sei.

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Zahlen & Fakten

  • Laut den Zahlen der Krankenanstaltengesellschaft verdient ein Turnusarzt im Schnitt 2.835,86 Euro netto, ein Primar 6.092,46 Euro netto (beides gerechnet auf 40 Stunden inklusive Dienste).

  • Im Anschluss an die nächste Verhandlungsrunde gibt es am Donnerstag in den fünf burgenländischen Krankenhäusern Betriebsversammlungen, um über die Ergebnisse zu informieren. Bei Routinefällen kann es daher zu Verzögerungen kommen.