Erstellt am 29. Mai 2013, 11:55

Ärztekammer pocht auf Pflicht-Lehrpraxis. Ärztekammer-Präsident Wechselberger hat am Mittwoch seine Kritik an den Reformplänen des Gesundheitsministeriums für die postpromotionelle Ärzteausbildung bekräftigt.

In einer Pressekonferenz pochte er auf die Verankerung eines verpflichtenden Lehrpraxisjahres für angehende Allgemeinmediziner. Die Kosten daür würden 15 Mio. Euro betragen, zahlen sollten Bund, Länder und Sozialversicherungen.

Allgemeinmediziner ohne vorherige Praxis als "Kuriosum"

Es sei ein "international herzeigbares Kuriosum", dass man in Österreich Allgemeinmediziner werden könne, ohne auch nur einen Tag in einer entsprechenden Arztpraxis verbracht zu haben, sagte Wechselberger. Durch die geplante Reform, die Gesundheitsminister Stöger per Verordnung erlassen wolle, ändere sich daran nichts, klagt die Kammer - und das gegen die Empfehlungen der vom Ministerium beauftragten Ausbildungskommission. Vorgesehen seien zwar sechs Monate, diese könnten aber auch in einer Spitalsambulanz absolviert werden.

Gerade einmal 106 geförderte Lehrpraxis-Plätze gibt es laut Kammer derzeit österreichweit. Der Bund zahlt den Jungärzten dafür monatlich 1.345 Euro (insgesamt rund eine Mio. Euro pro Jahr), den Rest auf das Kollektivvertragsgehalt (ungefähr noch einmal soviel) muss der praxisführende Arzt aufbringen. Notwendig seien aber 450 Stellen, so Wechselberger, und die sollten zur Gänze von der öffentlichen Hand finanziert werden.

"Österreich hinkt sträflich in der Ausbildung der Allgemeinmediziner der internationalen Entwicklung nach", so Wechselberger. Die Ausbildungsordnung sei seit einem halben Jahrhundert fast unverändert.