Erstellt am 31. Juli 2013, 14:06

Ärztekammer warnt vor Medizinermangel im ländlichen Raum. Ihre Warnung vor einem drohenden Ärztemangel im ländlichen Raum hat am Mittwoch die Ärztekammer Burgenland bekräftigt.

Innerhalb von zehn Jahren würden im Burgenland voraussichtlich 61 Prozent und somit fast zwei Drittel aller Landärzte in Pension gehen. Damit liege man im Österreichvergleich an dritter Stelle hinter Kärnten mit 67 Prozent und der Steiermark mit 66 Prozent, erklärte Ärztekammervizepräsident Michael Schriefl vor Journalisten in Eisenstadt.

In Oberösterreich rechne man binnen eines Jahrzehnts mit 54 Prozent Pensionierungen, in Niederösterreich mit 52 und in Tirol mit 51 Prozent. Am besten schneide Vorarlberg mit 46 Prozent ab.

Bei den jungen Medizinern stünde der Beruf des Landarztes derzeit nicht an der Spitze der Prioritätenliste, so Schriefl. Vor gut einem Jahrzehnt habe es noch zehn bis 15 Bewerber für jeweils eine Kassenstelle gegeben: "Heute müssen wir schon die Leute bitten und betteln, dass sie das machen." Vor kurzem hätten sich für die Nachbesetzung einer Praxis drei Bewerber gemeldet - zwei sagten nach einer Überlegungsfrist ab. "Die Dritte hat es dann Gott sei Dank genommen", berichtete der Vizepräsident.

Für die jungen Kollegen sei eine ausgewogene Work-Life-Balance wesentlich wichtiger als früher, meinte Schriefl: "Für sie sind die 70 Arbeitsstunden, die wir durchschnittlich oft in der Woche machen müssen, um unser Pensum zu erfüllen, etwas, was sie sehr abschreckt." Durch Bürokratie und Kostendruck seien zudem die Erträge in der Allgemeinpraxis nicht mehr so wie vielleicht vor 20 oder 30 Jahren.

Als "Landarzt" definiert die Standesvertretung einen Arzt für Allgemeinmedizin mit allen Kassen, der in einer Gemeinde mit höchstens 3.000 Einwohnern aktiv ist oder der als einer von maximal zwei Kassen-Allgemeinmedizinern in einem Ort eine Ordination betreibt, erläuterte Schriefl.

Bundesweit fielen rund 1.560 Ärzte, die für etwa 43 Prozent der österreichischen Bevölkerung verantwortlich seien, in diese Kategorie. Im Burgenland treffe dies auf 118 von 144 Allgemeinmedizinern mit allen Kassen zu.

Im Rahmen ihrer Kampagne "Landmedizin: Die ärztliche Versorgung sichern" fordern die Ärztekammern eine Abgeltung der längeren Arbeitszeiten durch zusätzliche Kassenhonorare. Landärzte sollten weiters das uneingeschränkte und zeitlich unbegrenzte Recht zur Führung einer Hausapotheke haben.

Weiters werden "familienfreundliche Arbeitsbedingungen" - etwa durch neue Bereitschaftszeit-Modelle und eine Überarbeitung der Sprengeleinteilung sowie flexiblere Formen der ärztlichen Zusammenarbeit verlangt.