Erstellt am 02. Mai 2012, 00:00

AMS-Streit geht weiter. „AUSLÄNDERFLUT“ / Kritik nach Bilanz zur Arbeitsmarktliberalisierung: Landesrat Rezar fordert AMS-Chefin zum Gehen auf.

Verhärtete Fronten: Der Aufforderung von Landesrat Rezar, ihre Bewerbung zurückzuziehen, wird AMS-Chefin Sengstbratl nicht nachkommen. Die Arbeitsmarktzahlen interpretieren beide unterschiedlich. FOTOS: BVZ  |  NOEN

VON WOLFGANG MILLENDORFER

Das Match zwischen SPÖ-Landesrat Peter Rezar und AMS-Chefin Helene Sengstbratl geht in die nächste Runde. Nachdem Rezar im Zusammenhang mit der Arbeitsmarktöffnung bereits in der Vorwoche heftige Kritik an der AMS-Politik geäußert hatte, forderte er am Montag Sengstbratls Abgang: Sie solle ihre Bewerbung zur Neuausschreibung der AMS-Geschäftsführung zurückziehen. Für die Stelle gibt es insgesamt vier Bewerber; eine Entscheidung soll im Juni fallen. Rezar, der zuletzt sogar eine gemeinsame Pressekonferenz mit Sengstbratl absagte, wirft der AMS-Chefin „Realitätsverweigerung“ vor.

Industriellenvereinigung und  ÖVP verteidigen Sengstbratl

Auslöser des Streits ist die Bilanz zur Liberalisierung des Arbeitsmarktes – genau ein Jahr ist es her, dass die Bestimmungen für ausländische Arbeitnehmer auf EU-Ebene gelockert wurden. Während Sengstbratl meinte, der befürchtete Ansturm aus den Nachbarländern sei ausgeblieben, heißt es seitens der SPÖ: Die Ausländerbeschäftigung sei linear zu  den rund 2500 neuen Arbeitsplätzen gestiegen; heimische Arbeitnehmer seien auf der Strecke geblieben.

Anders sehen das ÖVP und Industriellenvereinigung, die auch auf einstimmige Beschlüsse im AMS-Direktorium verweisen – „und dort sind auch die Genossen dabei“. Sengstbratl selbst will die Kritik an ihrer Person nicht kommentieren, fordert nur eine „profundere Analyse“ der Zahlen ein. Dass im Burgenland aufgrund der Grenzlage Strategien gefragt  seien, sagt auch sie – und ist zumindest dabei einer Meinung mit Rezar.