Erstellt am 28. Mai 2013, 12:09

„An einem Strang ziehen“. Interview / Nach der „Bienen-Causa“ spricht Landwirtschafts- und Umweltminister Berlakovich mit der BVZ über Agrarpolitik und Umweltschutz, Wahlkampftöne und „Wadlbeißer“.

BVZ: Die Aufregung scheint sich ein wenig gelegt zu haben. Tut Ihnen Ihr „Nein“ zum Verbot von Neonicotinoiden im Nachhinein trotzdem leid?
Nikolaus Berlakovich: Mein oberstes Ziel war und ist, die heimischen Bienenbestände zu schützen und die Existenzen unser Bäuerinnen und Bauern zu sichern. Deshalb haben wir auch im Vorfeld der Abstimmung in Brüssel einen Interessenausgleich gesucht und uns für ein Verbot der Neonicotinoide mit zeitlich und räumlich begrenzten Ausnahmeregelungen ausgesprochen. Dieser Vorschlag kam nicht zur Abstimmung. Um die Diskussion in Österreich wieder zu versachlichen, habe ich zu einem Bienengipfel geladen. Es ist uns gelungen, eine bessere Lösung zu finden. Wir werden das von der Europäischen Kommission erlassene Verbot umsetzen, wobei ich auch für weitergehende nationale Beschlüsse im Konsens mit dem Parlament offen bin. Derzeit arbeiten wir auch an einem umfassenden Aktionsplan.

Immer wieder werden Sie als „Lobbyist der Bauern“ bezeichnet. Wie beurteilen Sie die Kritik an Ihrer Umweltpolitik?
Die Fakten sprechen für sich: Österreich liegt in Sachen Umwelt weltweit unter den Top-Ten. Klima- und Umweltschutz ist eine gemeinsame Anstrengung. Das heißt, Bund und Länder müssen an einem Strang ziehen, um gemeinsam in der Umweltpolitik etwas zu erreichen. Deshalb haben wir das Programm der Klima- und Energie-Modellregionen geschaffen. 106 Regionen sind es in ganz Österreich, im Burgenland beteiligen sich sechs Regionen.

Sollten Umwelt- und Agrar-Ressort getrennt werden?
Beide Ressorts zusammen machen Sinn. Denn die Landwirtschaft wird immer ökologischer, so können sich Umwelt und Landwirtschaft auch positiv ergänzen. In vielen europäischen Ländern hat man das auch erkannt und daher sind das Umwelt- und Agrarressort in einer Hand.

Wollen Sie auch der nächsten Regierung angehören?
Als Minister habe ich die Möglichkeit, viel für das Burgenland zu leisten. Das mache ich auch gerne und mit vollem Einsatz. Zunächst muss aber erst einmal eine Wahl geschlagen werden, danach werden die Weichen gestellt.

Gibt es auch einen „Plan B“ – zum Beispiel eine Rückkehr ins Burgenland?
Das Burgenland ist meine Heimat, für die ich auch jetzt als Minister gerne und verantwortungsvoll arbeite.

Burgenlands SPÖ bezeichnet Sie als „Problembären“. Nehmen Sie die Herausforderung für einen harten Wahlkampf an?
Diese Wahlkampftöne richten sich von selbst. Ich will konstruktiv für die Menschen arbeiten und das Beste für das Burgenland herausholen.

Wie sehen Sie generell die politische Lage im Burgenland?
Das Burgenland steht bereits in sehr vielen Bereichen gut da. Konstruktive Zusammenarbeit, nicht Streit und Wadlbeißerei, bringen das Land weiter. Und diesen Weg will ich für das Burgenland und seine Menschen auch weitergehen.