Erstellt am 19. Februar 2016, 06:34

von Markus Stefanitsch

Andreas Khol: „Bin kein Grüß-August“. Interview-Reihe zur Bundespräsidenten-Wahl: Khol über Asyl nur mit Papieren, gelangweilte Grundwehrdiener und die Pension.

»Bürger-Präsident«. Andreas Khol würde als Bundespräsident mehr Druck auf die Regierung ausüben. Foto: Gollubics-Prath  |  NOEN, Gollubics-Prath

BVZ: Fühlen Sie sich als der Wunschkandidat der ÖVP?
Khol: Ja. Wenn ich zuhöre, was die Menschen mir sagen, bin ich viel stärker getragen als jeder andere Kandidat. Alle, mit denen ich in der Vergangenheit ein Hühnchen gerupft hatte, sind auf mich zugekommen und haben mir vollste Unterstützung zugesagt. Das tat gut, denn ich war ja nicht immer pflegeleicht. Ich werde rückhaltlos von der Partei unterstützt.

Das war zu Beginn Ihrer Kandidatur aber nicht so.
Ab jetzt beginnt die Aufholjagd. Bisher hab ich in den Landtagsklubs und bei den Bürgermeistern um Sympathie geworben und zugehört. Mit meinem Besuch im Burgenland werde ich meine Zukunftsthemen spielen.

Da wären wir gleich beim Thema. Wofür steht Andreas Khol?
Ich stehe für einen aktiven Bundespräsidenten, der die Sorgen aufgreift und in die Regierung einbringt sowie für eine offene Hofburg. Ich möchte ein echter Bürger-Präsident werden, der zudem international sehr gut vernetzt ist und sich voll für die Familien einsetzen wird. Deshalb hätten die Menschen sicher eine Freude mit mir als Bundespräsident.

„Grüne Grenze zu Ungarn ist nicht das Problem“

Das Thema Flüchtlinge beschäftigt gerade ganz Europa. Was ist Ihr Ansatz?
Ich bin für die Obergrenze. Wer aber aus einem unsicheren Drittland kommt und politisch verfolgt wird, muss immer Asyl bekommen, sofern er gültige Papiere vorweisen kann. Das sind aber die wenigsten. Wir müssen jeden Monat schauen, ob genügend Quartiere da sind, ob es genug Platz in den Schulen gibt und wie die Arbeitsmarktsituation ist, dann können wir entscheiden, wie viele Vertriebene wir beheimaten können.

Soll das Bundesheer fix an die Grenze?
Das Bundesheer vermittelt der Bevölkerung Sicherheit. Wobei die grüne Grenze zu Ungarn nicht das Problem ist, sondern eher die Südgrenze Burgenland, Steiermark und Kärnten. Dort bin ich für den Einsatz von Grundwehrdienern, denn die leiden ja unter der Fadheit des Kasernen-Alltags.

Sollen diese bewaffnet und mit Munition Dienst versehen?
Das entscheidet das Bundesheer, aber ich bin ganz klar gegen einen Schießbefehl. Es sei denn, es ist aus Notwehr.

Als Präsident kann man in Österreich aber kaum was bewirken ...
Der Eindruck ist so, weil es die Bevölkerung ja auch nicht anders erlebt. Ich werde schon unterstreichen, dass die Entscheidung des Bundespräsidenten, wer Bundeskanzler wird, eine sehr wichtige ist. Genauso würde ich auch Druck ausüben, dass das vereinbarte Regierungsprogramm durchgezogen wird. Es braucht keinen Grüß-August oder Staatsnotar.

„Unterstützungsunterschriften werden erster Gradmesser“

Würden Sie gewisse Regierungen nicht angeloben?
Das ist ja nicht die Regel. Zuerst einmal redet man mit dem Chef der stärksten Partei über das Programm und über die Personen. Im Vorfeld weiß man ja auch, dass die Partei nur jemanden vorschlägt, den der Präsident auch angeloben kann. Somit stellt sich die Frage nicht. Ich würde aber niemandem sein Gesicht verlieren lassen.

Eine Stichwahl ist so gut wie fix. Welche beiden Kandidaten werden es schaffen?
Alle Kandidaten haben die Chance. Der erste große Gradmesser werden die Unterstützungsunterschriften sein, da wird man schon sehen, wer eine große Mehrheit hinter sich hat. Auf jeden Fall braucht man einen langen Atem – und ich bin trainiert.

Warum tut man sich das in Ihrem Alter noch an? Sie könnten einfach Zeit mir Ihrer Familie verbringen ...
Meine Familie steht voll hinter mir und Pensionist war ich schon (lacht, Anm.). Ich möchte Österreich wirklich wieder an die Spitze bringen. Und das kann ich auch.