Erstellt am 20. Juni 2012, 15:13

Androsch will Bildung im Wahlkampf thematisieren. Von der SPÖ fordert er, dass sie nach der Wahl Bildungsreformen zur Koalitionsbedingung mit der ÖVP machen muss. Es dürfe in Zukunft keine "Rücksichtnahme auf oligarchische Interessen gewisser Gewerkschaftsbosse" mehr geben.

Aus Sicht von Gerhard Riemer, Bildungsexperte der Industriellenvereinigung, wurde vom Parlament "eine fast historische Chance der Weichenstellung verpasst". Er mahnte zur Eile: "Wir haben keine Zeit, weil uns qualifizierte Fachkräfte ausgehen und weil wir mit Talenten urassen."

Es brauche vor allem Reformen in Kindergarten und Volksschule, "wenn wir dort nicht Schritte setzen, ist alles später vergebene Mühe". Für Unternehmensberaterin Gundi Wentner sind die "desillusionierenden" Ergebnisse nicht nur ein Rückschlag für die Bildungspolitik. Durch die Absage an eine Ganztagsschule für alle würden auch die ungleichen Berufs- und Einkommenschancen von Frauen prolongiert.

Geht es nach Androsch, müssen die "Blockierer" der Bildungsreformen jedenfalls vom Wähler abgestraft werden. Bernd Schilcher, Mitinitiator des Volksbegehrens und ÖVP-Bildungsexperte, kritisierte vor allem die eigene Partei: "Es ist nicht möglich für eine christlich-soziale Partei, nur Politik für die zu machen, die es geschafft haben, statt Politik, damit es alle schaffen können."

Für ihn sind ÖVP wie SPÖ auf dem Weg zur Selbstauflösung: "Sie werden ordentlich verlieren, und es wird mir nicht sehr leidtun." Immerhin leide schon jetzt die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs, und die Bildungsverteilung sei wesentlich ungerechter als in anderen Ländern. Sollten SPÖ und ÖVP keine Mehrheit mehr haben, hat Androsch schon einen Wunschpartner für die beiden: die Grünen.