Erstellt am 09. Februar 2015, 10:49

von APA/Red

Spitalsärzte: Gesundheitsversorgung gefährdet. Das neue Arbeitszeitgesetz für Spitalsärzte zeigt im Burgenland laut Ärztekammer bereits nach wenigen Wochen "gravierende Auswirkungen in Form von Verschlechterung der medizinischen Versorgung".

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„Planoperationen müssen verschoben werden, auch Ambulanzen können teilweise nicht mehr aufrecht erhalten werden", so Primarärztesprecher Mathias Resinger am Montag.

„Dies ist ein Hilfeschrei an die Politik!"

Immer längere Wartezeiten für Routineeingriffe und -behandlungen würden die Folge sein, wenn nicht mehr Personal zur Verfügung gestellt werde, teilte der Leiter der Chirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt in einer Aussendung mit.

„Dies ist ein Hilfeschrei an die Politik! Denn wir befinden uns in einem Teufelskreis: Die Belastung für die Kollegenschaft ist in den letzten Jahren enorm geworden und seit einem Monat eigentlich unerträglich. Einen derartigen Grad an Demotivation bei den Kollegen wie an einigen Abteilungen haben wir noch nie gesehen!", sagte der Primarärztesprecher. Die Gesundheitsversorgung im Burgenland sei gefährdet.

Resinger kritisierte außerdem, dass andere Bundesländer mit einem neuen verbesserten Gehaltsschema für Spitalsärzte reagiert hätten und so offensiv abwerben würden.

Bisher zwei Beschwerden beim Patientenanwalt

Deshalb fordere man zusätzliches ärztliches Personal, die sofortige Vereinbarung eines wettbewerbsfähigem und adäquaten Gehaltsschemas für alle burgenländischen Ärzte, die sofortige Entbindung der Ärzteschaft von unnötigen administrativen und nichtärztlichen Tätigkeiten, damit mehr Zeit für die Patientenbehandlung bleibe sowie die Verhinderung der "Degradierung der Primarärzte zu Lückenbüßern für die dünne Personaldecke".

Beim burgenländischen Patientenanwalt Josef Weiss hat es bisher allerdings erst zwei Beschwerden wegen verschobener Planoperationen gegeben. „Die Unzufriedenheit wird da sein, da wird sicher noch einiges kommen", meinte Weiss.

Rezar: Primarärztesprecher Resinger schürt Unfrieden

Burgenlands Gesundheitslandesrat Peter Rezar (SPÖ) hat am Montag die Aussage des Primarärztesprechers Mathias Resinger, die Gesundheitsversorgung sei wegen der neuen Arbeitszeitregelung für Spitalsärzte gefährdet, als "unangebrachte Panikmache" bezeichnet. Resinger schüre Unfrieden, so Rezar. Der Primarärztesprecher hatte behauptet, Ambulanzen könnten teilweise nicht mehr aufrechterhalten werden.

"Die nächste Runde der Verhandlungen mit Vertretern der Ärztekammer, Gewerkschaft und der Rechtsträger ist für den 25. Februar anberaumt. Es ist offenbar Ziel von Primar Resinger, diese Gespräche - an denen er im Übrigen gar nicht teilnimmt - mit künstlichen und überhaupt nicht der Realität entsprechenden Panikaktionen beeinflussen zu wollen", teilte Rezar in einer Aussendung mit. Er verwies auf die bis Juni vereinbarte Übergangslösung, die garantiere, dass der Versorgungsauftrag der Spitäler unverändert wahrgenommen werden könne.

"Anstatt sich hier einzubringen und konstruktiv Vorschläge für die längst überfälligen Strukturreformen in seinem eigenen Zuständigkeitsbereich zu liefern, führt Primar Resinger hier einen Privatkrieg gegen das neue Arbeitszeitgesetz und nimmt die Patienten in Geiselhaft", so Rezar verärgert. Im gesamten Burgenland finde sehr gute medizinische Betreuung statt. Nun sei die Fortsetzung der konstruktiven Gespräche und Verhandlungen notwendig.