Erstellt am 29. Oktober 2013, 14:19

von Bettina Eder

Asylant als Lesehelfer. Über „Green Care“ Initiative können landwirtschaftliche Betriebe Asylwerber als Arbeiter anwerben.

Die Weinlese startet wieder. Insgesamt gibt es im Bezirk Gänserndorf 680 Weinbaubetriebe mit insgesamt 2.000 Hektar Weinbaufläche, davon 1.600 Hektar Weißwein- und 400 Hektar Rotweingebiete.bilderbox  |  NOEN, Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
Von Bettina Eder

Von 300 Lesehelfern waren laut Finanzpolizei bei den letzten Kontrollen vor wenigen Wochen 100 nicht entsprechend gemeldet gewesen. Sinnbild dafür, dass für viele Winzer die Gewinnspanne durch die Anmeldung zu gering ausfällt. Jetzt hat die Weinbaugemeinde Gols und die Winzervereinigung Pannobile mithilfe der Landwirtschaftskammer Wien vielleicht einen günstigeren Weg gefunden: Asylwerber sollen in Zukunft für diese Tätigkeiten herangezogen werden.

Projekt wird finanziert von Bund, Land und EU

Das Ganze läuft über die Green Care Initiative, die von Bund und EU unterstützt wird: Menschen vom Rand der Gesellschaft sollen wieder in deren Mitte geholt werden. „In der Steiermark machen wir unter Green Care vieles mit älteren Menschen, Vorarlberg mit Menschen mit Behinderung und im Burgenland ist nun das Projekt mit den Asylanten geplant“, erläutert die Projektleiterin für Österreich Nicole Prop.

Konkret heißt das, dass über ein Koordinationsbüro in Gols Asylwerber auf freiwilliger, aber bezahlter Basis Betrieben zugeteilt werden. Ihr Honorar erhalten die Helfer aus Förderungen, den Sozialträgern und Institutionen, etwa der Diakonie oder dem AMS, sowie natürlich auch den Landwirten selbst. „Es gibt mehrere Modelle, aber bei jedem zahlt der Winzer auch etwas dazu“, stellt Prop fest. Selbstverständlich seien diese Helfer auch angemeldet.

Kollektivvertraglich geregelter Lohn

„Bei uns in Gols gibt es dreißig junge Männer, die schon seit Jahren hier leben, einen Hauptschulabschluss haben, gut deutsch sprechen, und nicht voll arbeiten durften. Diese haben wir heuer im Sommer erstmals bei uns angestellt. Wir hätten es schon früher gemacht, wussten aber nicht, dass das gesetzlich — bei Saisonarbeit — erlaubt ist“, erläutert Heike Heinrich, Mitglied der Golser Winzervereinigung „Pannobile“.

Die Arbeiter erhielten den kollektivvertraglich geregelten Lohn. Mit dem Green Care verknüpft sie einige Verbesserungsvorschläge, wie Vereinfachung der Anmeldung der Asylwerber. „Damit man diese auch kurzfristig und kürzer anstellen kann“, so die Winzerin. Falls Gols die erste Green Care Gemeinde im Burgenland wird – Anfang 2014 tagt eine Arbeitsgruppe zu den Details –, dann steht dieses Service auch anderen zur Verfügung, wie Prop erläutert: „Der Koordinator soll mit einem Internetportal eine Drehscheibe für die ganze Region sein.“