Erstellt am 01. Juli 2015, 06:21

von Wolfgang Millendorfer

Asylquartiere: „Leute wollen helfen“. Während die Politik diskutiert, melden sich immer mehr private Quartiergeber. Im Burgenland fehlen noch 156 Plätze.

Menschlichkeit gewinnt. Zehn Flüchtlinge sind in Mattersburg in einem Privathaus untergebracht. Auch beim Benefiz-Fußballturnier des Vereins »Kiwi« waren die Asylwerber am Wochenende dabei. Foto: Vogler  |  NOEN, Richard Vogler
Elf Euro pro Person und Tag bekommt ein Unterkunft-Betreuer im Burgenland. Das Geld ist aber nicht der vorrangige Grund, dass immer mehr Private und Vereine ihre Häuser für Flüchtlinge öffnen.

„Es gibt überraschend viele, die von sich aus auf uns zukommen und helfen wollen“, freut sich Rainer Klien von SOS-Mitmensch.

Damit werde auch viel in Sachen Intergration getan. Aber, so Klien: „Was aus unserer Sicht hier fehlt, ist eine aktive Information seitens des Landes.“ In der Landesregierung verweist man auf laufende Unterstützung privater Quartiergeber. Jedes Haus wird vom Flüchtlingsreferat auch vorab geprüft.

Asylquote: Burgenland weiterhin Schlusslicht

Wer Asylwerbern Unterkunft geben will, muss sich beim Land melden und für das Quartier und in etwaigen Notfällen Verantwortung übernehmen. Von der Gemeinde muss man erst für größere Quartiere eine Extra- Genehmigung einholen.

In der Landespolitik dreht sich die Diskussion derzeit um diese Frage – wie viele Asylwerber in einer Gemeinde untergebracht werden sollen. Fest steht, dass nur drei Bezirke die – beim vorwöchigen Asylgipfel wieder verworfene – Bezirksquote erfüllen würden (siehe Zahlen und Zitate rechts). Aktuell fehlen im Burgenland 156 Plätze; die Asylquote wird nur zu 88 Prozent erfüllt, womit man bundesweit Schlusslicht bleibt.

Dabei könnte man seitens des Landes auf viele freie Objekte zurückgreifen, wie Flüchtlingskoordinator Wolfgang Hauptmann im Gespräch mit der BVZ meint: „Aber die örtliche Politik und die Bevölkerung müssen das auch ,erlauben‘.“ In jedem Fall suche man immer den Konsens, betont Hauptmann.


Zitiert:

„100 Flüchtlinge in einer 1.000-Seelen-Gemeinde sind ein Riesenproblem. Aber fünf Flüchtlinge in
jeder 1.000-Seelen-Gemeinde sind relativ leicht unterzubringen.“
Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ)

„Wir wollen keine Massenquartiere und haben im Koalitionsübereinkommen vieles vorsorglich festgeschrieben – zum Beispiel, dass das alte Krankenhaus in Oberwart nicht als Quartier zum Einsatz kommt.“
Hans Tschürtz (FPÖ)

„Niessl sollte endlich Lösungskompetenz in dieser sensiblen Frage zeigen und Verantwortung übernehmen, anstatt Politik in dieser SPÖ-FPÖ-Manier zu machen.“
Christian Sagartz (ÖVP)

„Viele Probleme entstehen auch durch schlechte Kommunikation auf lokaler Ebene, zum Beispiel, wenn in den Gemeinden zu früh vor Asylquartieren ,gewarnt‘ wird.“
Regina Petrik (Grüne)

„Klar geht es um Menschlichkeit, aber bis es seitens der Politik eine eindeutige Regelung gibt, sollte es einen Aufnahmestopp geben. “
Manfred Kölly (LBL)


Asyl in Zahlen

  • Im Burgenland sind derzeit 1.226 Asylwerber untergebracht. Für die hundertprozentige Erfüllung der Asylquote fehlen aktuell 156 Plätze.

  • Asylwerber sind in 44 von 171 burgenländischen Gemeinden untergebracht. Nur drei Bezirke – Oberpullendorf, Oberwart und Güssing – würden die zuletzt angedachte Bezirksquote erfüllen.

Asylwerber in den Bezirken:
Neusiedl am See 97
Eisenstadt (Stadt) 76
Eisenstadt Umgebung 23
Mattersburg 118
Oberpullendorf 232
Oberwart 416
Güssing 252
Jennersdorf 12

Quelle: Land Burgenland