Erstellt am 09. Januar 2013, 21:47

Auffassungsunterschiede über beste Lösung. Kanzler Faymann und Vizekanzler Spindelegger schwören die Funktionäre ihrer Parteien auf die bevorstehende Bundesheer-Volksbefragung ein. Beide waren am Mittwoch in Oberösterreich zu Gast und warben für ihre jeweilige Sicht.

Faymann warb vor rund 400 Genossen in Wels für die Abschaffung der Wehrpflicht und das vorgeschlagene freiwillige soziale Jahr. Spindelegger trat vor rund 1.000 Funktionären in der Raiffeisenlandesbank auf.

Die Oberösterreich-Kampagne der SPÖ steht unter dem Motto "Gut geschützt durch Profis". Die SPÖ setze bei den jungen Menschen auf "Engagement aus eigener Überzeugung" und nicht, weil diese in einen Dienst "hineingepresst" werden, so Faymann. Die Welt habe sich in den fast 60 Jahren der Wehrpflicht verändert und es gebe jetzt andere Herausforderungen. Überall gehe der Trend zum Spezialistentum, auch beim Militär und im sozialen Bereich. Die SPÖ stehe für Gerechtigkeit, dazu gehöre die Abschaffung der Wehrpflicht.

Faymann ging auch auf das ORF-Bürgerforum am Vortag ein, bei dem ÖVP-Chef Spindelegger bei seinen Argumenten für die Wehrpflicht gemeint habe, die jungen Männer würden dort für das Leben auch den Umgang mit der Waffe lernen. Der SPÖ-Vorsitzende meinte dazu: "Im besten Fall sind ihm dabei die Jäger eingefallen." Er forderte zudem die ÖVP auf, "Fairness" zu zeigen und nicht auf den 21. Jänner mit der Veröffentlichung ihres Konzeptes für eine Bundesheerreform warten.

Spindelegger rührte währenddessen in Linz für die Beibehaltung des Präsenz- und Zivildienstes die Werbetrommel. Es gebe die Wehrpflicht, "so wie wir daneben auch eine Schulpflicht haben" oder eine Steuerpflicht. Eines sei diesen Dingen gemeinsam: "Die Freude hält sich in Grenzen." Sie seien aber nötig, "damit diese Land Zukunft hat".

"Wir verlangen von jungen Menschen, dass sie Zeit für die Gemeinschaft opfern", so Spindelegger. Ein freiwilliges bezahltes Jahr sei "eine tolle Sache", räumte er ein, "aber wer soll glauben, dass sich jemand für ein Jahr verpflichtet, wenn er nicht weiß, was die Zukunft bringt?". Er erwarte auch nicht, dass sich Tausende freiwillig melden werden, "um einfache Soldaten zu sein".

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