Erstellt am 13. September 2011, 13:31

Ausstieg vom Atomstrom beginnt mit Stromkennzeichnung. Früher als geplant tritt am Mittwoch eine neue Verordnung zur Stromkennzeichnung in Kraft. Dies hat Bundeskanzler Werner Faymann am Dienstag nach dem Ministerrat verkündet. Ursprünglich war die Umsetzung für Anfang 2012 anvisiert worden.

faymann  |  NOEN, JULIEN WARNAND (BELGA)
Faymann betonte angesichts des jüngsten Unfalls in einer Atomanlage in Frankreich die Notwendigkeit der Stromkennzeichnungs-Verordnung: "Es ist ein richtiger Schritt." Die Einbeziehung von NGOs sei zudem ebenfalls der richtige Weg gewesen. "Wenn wir den Import von Atomstrom nicht wollen, dann beginnt es mit einer Kennzeichnung", so der Kanzler.

Die von der E-Control ausgearbeitete Verordnung zur Stromkennzeichnung erkennt Elektrizität aus Erneuerbaren Energien nur dann an, wenn ihre Herkunft gemäß EU-Kriterien dokumentiert wurde. Auswirkungen wird das vor allem auf den an Europas Strombörsen gekauften Strom haben. Diesem wird traditionell das Etikett "unbekannt" umgehängt, da elektrische Energie ohne Herkunftsnachweise gehandelt wird. Sein Anteil am österreichischen Strommix hat 2009 und 2010 rund 17,5 Prozent betragen. Bisher wurde er nach dem Verteilungsschlüssel des europäischen Energiemix (ENTSO-E) klassifiziert.

Nun wird Strom aus Wasserkraft und Sonstigen Erneuerbaren aus diesem Verteilungsschlüssel ausgenommen, da davon ausgegangen werden müsse, dass im Strom unbekannter Herkunft kein Ökostrom enthalten sei, erklärte die E-Control vor einiger Zeit. Auch Doppelzählungen würde man so vermeiden, da praktisch die gesamte heimische Wasserkraft Teil des ENTSO-E wäre.

Laut dem im Dezember 2010 geänderten Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWOG) wird daher in Zukunft der Anteil der Wasserkraft (18,9 Prozent) und der Sonstigen Erneuerbaren (7,2 Prozent) im ENTSO-E nicht mehr berücksichtigt. Dadurch erhöht sich der ausgewiesene Anteil an aus fossilen und nuklearen Quellen gewonnenen Strom auf 64,5 bzw. 35,1 Prozent - und in weiterer Folge der Anteil dieser Energieträger am heimischen Strommix.

In den strengeren Dokumentationspflichten sieht die Regulierungsbehörde auch Chancen für die Ökostromanbieter. Zum Beispiel könnte ein Stromlieferant in Zukunft nur Ökostrom aus Österreich verkaufen. Elektrizität "Made in Austria" wäre so möglich.

Weiters sieht die Verordnung vor, den Bilanzierungsraum von Stromkennzeichnung und Energielieferung von einem Jahr auf ein Quartal zu verkürzen. Bisher konnte ein Versorger beispielsweise mit Herkunftsnachweisen von Jänner Stromlieferungen im Dezember belegen. Die zeitnahe Belegung der Stromerzeugung verbessert die Glaubwürdigkeit und Transparenz der Stromkennzeichnung.

Bis dato hat nur die Hälfte der Länder im aus den EU-27 sowie der Schweiz und Norwegen gebildeten europäischen Strommarkt ein funktionierendes Stromkennzeichnungssystem. Die österreichischen Nachbarn Deutschland und Italien haben beispielsweise noch gar keines.

In Österreich selbst wird weit mehr Strom aus Erneuerbaren Energien gewonnen als in Gesamteuropa. 2010 stellte die Wasserkraft 51,6 Prozent der erzeugten Elektrizität. Gas, Öl und Kohle kamen auf 34,9 Prozent und "Sonstige", überwiegend Erneuerbare wie Windkraft, Biomasse, Biogas, und Photovoltaik, brachten es auf 13,5 Prozent.