Erstellt am 27. April 2011, 07:20

Bandion Ortner zurück ins Straflandesgericht. Nach ihrer Ablöse als Justizministerin hat Claudia Bandion-Ortner einen weiteren Tiefschlag zu verkraften. Im Wiener Straflandesgericht, wo die 44-Jährige bis zu ihrem Wechsel ins Palais Trautson spektakuläre Wirtschaftsprozesse wie das BAWAG- oder das Konsum-Verfahren geleitet hatte, muss sie sich nach ihrer Rückkehr zukünftig mit kleineren Brötchen begnügen.

Claudia Bandion Ortner  |  NOEN, Franz Baldauf
Der Personalsenat hat Bandion-Ortner am vergangenen Freitag die Leitung einer sogenannten Berufungs-Abteilung übertragen.

Damit ist die vormalige BAWAG-Richterin ab sofort ausschließlich dafür zuständig, Rechtsmittel gegen bezirksgerichtliche Urteile zu überprüfen. Inhaltlich heißt das, dass Bandion-Ortner statt über komplexe Wirtschaftsstrafsachen zukünftig über erstgerichtliche Entscheidungen zu Wirtshausschlägereien, Hundebissen, Verkehrsunfällen, Ladendiebstählen und kleinen Sachbeschädigungen befinden.

Derzeit befindet sich Bandion-Ortner im Urlaub. Wie im Grauen Haus in Erfahrung zu bringen war, soll sie aber avisiert haben, spätestens Anfang Mai ihre Arbeit als Strafrichterin wieder aufnehmen zu wollen.

Ob sich die Ex-Justizministerin die ihr zugewiesene Tätigkeit - altgediente Wiener Strafrichter und langjährige Gerichtsberichterstatter bezeichnen diese als "Schneebrunzer-Arbeit", da sie nicht unbedingt eine große juristische Herausforderung darstellt - tatsächlich antun wird, ist offen. Dem Vernehmen nach soll Bandion-Ortner gehofft haben bzw. noch immer hoffen, allenfalls mit Hilfe der ÖVP einen Job außerhalb der Strafgerichtsbarkeit zu finden.

Sollte daraus nichts werden, wird Bandion-Ortner im Grauen Haus jedenfalls ein rauer Wind entgegenschlagen: Als Justizministerin hat sie sich innerhalb der Justiz keine Freunde gemacht.