Erstellt am 19. März 2012, 13:13

Barnier will mehr Kontrolle für Schattenbanken. Die EU-Kommission möchte Risiken im Finanzsektor durch eine ungeregelte Tätigkeit des sogenannten Schattenbanken-Sektors ausschalten.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier erklärte am Montag in Brüssel: "Wir wollen nicht, dass Tätigkeiten und Unternehmen des Finanzsektors bestehende und geplante Vorschriften umgehen." Dies würde zu einer "Akkumulierung neuer Risikofaktoren" führen.

Deshalb sei es notwendig, Transparenz in diese "Baustelle" zu bringen. Damit könne auch der Realwirtschaft geholfen werden.

Es sei "an der Zeit", sich der zunehmenden Kredittätigkeit von Nichtbanken, dem "Schattenbankwesen" mit dem "Parallelsystem" zum Bankensektor, zuzuwenden, das bisher nicht im Zentrum des Interesses von Regulierung und Aufsicht gestanden sei, um auch Vertrauen der Konsumenten zurückzugewinnen. Bis zu einem gewissen Grad erfüllten Schattenbanken im Finanzsystem wichtige Funktionen. So stellten sie beispielsweise eine zusätzliche Finanzierungsquelle dar und böten den Anlegern Alternativen zu Bankeinlagen. Für die langfristige Finanzstabilität könnten sie aber auch mit Risiken verbunden sein, da sie eine Akkumulierung unbekannter Risikofaktoren im Finanzsystem bewirkten und Spillover-Effekte vom Schattenbank- auf den regulären Bankensektor ermöglichten.

Barnier legte ein sogenanntes Grünbuch, ein Diskussionspapier, vor. Die damit eingeleiteten Konsultationen dauern bis 1. Juni dieses Jahres. Schattenbanken sind Zweckgesellschaften, die Kredite vermitteln, Geldmarktfonds, Investitionsfonds, Hedge-Fonds und Versicherungsunternehmen. Dieser Sektor macht nach Angaben des Binnenmarktkommissars zwischen 25 und 30 Prozent des gesamten Finanzmarkts aus und "entwickelt sich sehr schnell. Daher muss man reagieren und agieren."

In dem Grünbuch wird dargelegt, inwieweit die Tätigkeiten von Schattenbanken bereits durch bestehende und vorgeschlagene EU-Rechtsvorschriften abgedeckt sind. Trotz dieser teilweisen Regulierung seien angesichts der ständigen Weiterentwicklung des Schattenbanksystems und der wachsenden Kenntnisse darüber weitere Fortschritte erforderlich. Es müsse einen "angemessenen Regulierungsrahmen und eine umfassende Beaufsichtigung" geben.