Erstellt am 24. September 2014, 19:29

Bei Quoten-Erfüllung Schließung von Semmering-Quartier. Versöhnliche Worte haben Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und der Bürgermeister von Spital am Semmering, Reinhard Reisinger (SPÖ), am Mittwochnachmittag vor Ort beim Asyl-Großquartier im Ortsteil Steinhaus ausgetauscht.

 |  NOEN, APA
Die Ministerin versprach öffentlich, das "Hotel Haus Semmering" wieder für Flüchtlinge zu schließen, wenn das Land Steiermark seine Quote zu 100 Prozent erfüllt. Reisinger zeigte sich zufrieden mit der Vereinbarung und der "Aussicht auf die Rücknahme des Bundesquartiers". Er hielt es für absehbar, dass es dem Land gelinge, "in den kommenden Wochen oder spätestens in zwei bis drei Monaten, genug Quartiere zu finden." Mikl-Leitner meinte: "Nun hat es das Land in der Hand." Derzeit liege die Quote der Steiermark bei 88 Prozent.

Die Ministerin machte sich auch selbst einen Eindruck von dem Hotel und begrüßte die Asylwerber mit "How are you?". Außerdem wechselte sie mit Urlaubern, die das Hotel schon länger gebucht hatten, ein paar Worte. Eine Reisegruppe aus Linz schwärmte vom "Haus Semmering": "Wir kommen schon seit Jahrzehnten mehrmals pro Jahr her." Eine ältere Frau kommentierte die Asylwerber mit: "Die Leute sind sehr lieb." Ein anderer Urlauber dagegen fühlte sich eingeschränkt: "Ich zahle dafür, die Asylwerber bekommen hier aber was bezahlt", polterte er.

Blockade der S6 "vorerst vom Tisch"

Zu turbulenteren Szenen war es gegen Mittag gekommen. Reisinger und seine Stellvertreterin Maria Fischer (SPÖ) wollten mit Journalisten das Quartier besuchen, doch das passte der slowakischen Eigentümerin offenbar nicht: "Sie hat uns des Grundstücks verwiesen und verboten, mit den Asylwerbern zu reden", erklärte Fischer. Die Vizebürgermeisterin sagte, die ins Auge gefasste Blockade der S6, der Semmering Schnellstraße, sei nach dem Gespräch mit der Innenministerin "vorerst vom Tisch."

Aufregung gab es am Mittwoch auch in Seiersberg südlich von Graz: Dort hat sich ein Gastwirt dazu entschlossen, sein Haus für Flüchtlinge zu öffnen. Streitereien mit einem Nachbar, der ihn unzählige Male offenbar wegen Nichtigkeiten angezeigt hatte, haben dem Lokalbesitzer nun gereicht. Er könne seine Kredite nicht mehr decken, weshalb er dem Land Steiermark seinen Gasthof als Asyl-Quartier angeboten hat. Für Bürgermeister Werner Baumann (SPÖ) sei das ein herber Schlag: "Offenbar soll es sogar für 110 bis 160 Leute ausgelegt werden, indem man Betten in einen Speisesaal stellt." Er hält am Donnerstag im Gemeinderat eine Krisensitzung ab.