Erstellt am 13. Dezember 2013, 10:28

Bestürzung über Wegfall des Wissenschaftsressorts. Die Universitätenkonferenz (uniko) appelliert an Bundespräsident Heinz Fischer, "keine Regierung ohne Wissenschaftsminister anzugeloben".

Hilferufe gehen auch an die SPÖ und "unsere Partner und Freunde in der Wirtschaftskammer und in der Industriellenvereinigung", so uniko-Chef Heinrich Schmidinger in einer Aussendung.

SPÖ solle jetzt Entschlossenheit demonstrieren

"Wenn schon von den ÖVP-Granden, die sich bisher ganz anders geäußert haben, keine Einsicht zu erwarten ist", appelliert Schmidinger an den Koalitionspartner SPÖ, für den Erhalt des Wissenschaftsministeriums einzutreten.

Die SPÖ zeige "so viel Entschlossenheit, wenn es um einzelne Reizthemen der Hochschulpolitik geht": "Sie hat jetzt Gelegenheit zu demonstrieren, dass sie dieselbe Entschlossenheit aufbringt, wenn der ganze Hochschulsektor Österreichs ins Abseits gestellt wird."

Von Wirtschaftsseite wandte sich der uniko-Chef explizit an Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl und Industriellenvereinigungs-Präsident Georg Kapsch und bat sie, "nicht zuzulassen, dass Wissenschaft und Forschung als die entscheidenden Zukunftsbereiche unserer Gesellschaft zur Nebensache degradiert werden".

"Fatales Signal, das international nur auf Kopfschütteln stoßen wird"

Die Einsparung des Wissenschaftsministeriums sei ein "fatales Signal, das international nur auf Unverständnis und Kopfschütteln stoßen wird", betonte Schmidinger. "Es zeigt einmal mehr, wie erschreckend wenig die Bundesregierung von Wissenschaft und Forschung, aber besonders auch von Kunst und Kultur versteht."

Er fragt sich, "was die Geistes- und Rechtswissenschaften, aber auch die Kunstuniversitäten, die Philosophie, die Theologie und vieles mehr im Wirtschaftsministerium verloren haben? Welchen Stellenwert behält die Grundlagenforschung, wenn die angewandte Forschung zu dominieren beginnt?"

Auch am Regierungsprogramm lässt Schmidinger kein gutes Haar: "Es geht auf so gut wie keine Forderung ein, die seitens der Universitätenkonferenz mehrmals erhoben wurde. Stattdessen werden Stehsätze wiederholt, die schon in früheren Regierungsprogrammen standen und bekanntlich nicht realisiert und umgesetzt wurden."

ÖH-Chef beklagt fortgesetzte Ökonomisierung der Bildung

Auch die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) zeigte sich verärgert über die Übertragung der Wissenschaftsagenden ins Wirtschaftsressort: "Wir sehen uns auf der Straße wieder." Die Studentenvertreter hatten vor den Koalitionsverhandlungen für eine Zusammenlegung von Wissenschafts- und Unterrichtsressort plädiert.

Eine Fusion von Wissenschaft und Wirtschaft werde dazu führen, "dass die Ökonomisierung der Bildung auch in den nächsten Jahren weitergehen wird", so ÖH-Chef Florian Kraushofer (Fachschaftslisten/FLÖ) in einer Aussendung.