Erstellt am 15. Mai 2013, 00:00

Bienen als Politikum. Pestizid-Streit / Landwirtschaftskammer befürchtet durch geplantes EU-Verbot Einbußen für Bauern. SPÖ fordert strenge Regeln und biologische Alternativen.

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Von Wolfgang Millendorfer

In der einen Ecke die fleißige Honigbiene, in der anderen der gefräßige Maiswurzelbohrer – in der Landwirtschafts-Debatte um umstrittene Pestizide sind nicht nur zwei tierische Kontrahenten gegeneinander angetreten, sondern letzten Endes auch die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP.

Als Landwirtschafts- und Umweltminister Nikolaus Berlakovich (ÖVP) auf EU-Ebene gegen das Verbot von Neonicotinoiden stimmte, hagelte es Proteste aus allen Richtungen. Das Beizmittel wird zum Schutz gegen ebendiesen Maiswurzelbohrer eingesetzt, zugleich aber für das dramatische Bienensterben mitverantwortlich gemacht.

„Entscheidung gefallen, Problem nicht gelöst!“ 

Berlakovich hat seine Meinung mittlerweile geändert (siehe Artikel unten), im Burgenland sind sich nun aber Landwirtschaftskammer und SPÖ-Bauern in die Haare geraten.

Denn für Kammer-Präsident Franz Stefan Hautzinger – selbst ein Maisbauer – und Co. bringt ein Verbot von Neonicotinoiden Probleme für die Landwirte mit sich: „Das trifft vor allem die Kleinbetriebe und wird in Summe das Bienensterben nicht verhindern.“ Mehr noch: In der Kammer befürchtet man „Gentechnik durch die Hintertür“.

Dass Einbußen zu meistern sein werden, will auch ÖVP-Agrarlandesrat Andreas Liegenfeld nicht verschweigen, er hat sich aber ebenfalls „im Zweifel für die Biene“ ausgesprochen.

In anderer Hinsicht komplex stellt sich die Causa für die SPÖ dar. Gemeinsam mit Imkern und roten Bauern wiesen die Abgeordneten Josef Loos und Werner Friedl darauf hin, dass biologische Alternativen zu den Beizmitteln „längst erprobt und im Einsatz“ seien. Noch strengere Verbote werden gefordert: „Pestizide gefährden auch Vögel und Amphibien und verunreinigen den Boden auf Jahre.“

Zumindest in einem sind sich die Streitparteien einig: Das Bienensterben hat noch andere Ursachen – und es sei als Thema „viel zu wichtig, um im Wahlkampf missbraucht zu werden“.